Ich habe eigentlich schon immer ganz gern gesungen, aber es war mir peinlich, wenn mich jemand dabei gehört hat. Texte konnte ich auch keine.
Vor einem Jahr ist meine Tochter geboren, und mit ihr habe ich von der Schwangerschaft an ganz viel gesungen. Wenn sie geschrien hat (also, das war dann schon nach der Geburt ;-) )und mir langsam der Kragen zu platzen drohte ... dann hat das Singen Marie beruhigt und mich selbst auch (ehe man vor Hilflosigkeit das schreiende Kind an die Wand klatscht: atmen! Herzklappen öffnen! Blutdruck senken! ... das geht singend am besten).
Wir singen alles, was wir tun, und ich bin inzwischen auch eine versierte Stegreifdichterin. Ideal ist z. B. die Melodie "Horch was kommt von draußen rein", die passt in jeder Lebenslage:
"Wir ziehn jetzt einen Body an - hollahi, hollaho - damit man nicht mehr frieren kann - hollahiaho"
"Wo mag denn nur der Papa sein - hollahi usw. - er ist ja noch nicht daheim - hollahiaho"
"Die Mary will jetzt schlafen gehn - hollahi usw. - morgen werden wir uns sehn - hollahiaho"
Wir singen beim Anziehen, beim Baden, vor, während und nach dem Schlafen, beim Spielen usw. Manchmal singe ich für Marie den "Schlechte-Laune-Blues". Da kommt es nicht auf die Melodie an, Hauptsache ich übertöne mein heulendes Kind
Volkslieder singen wir auch ganz viele, und es ist enorm, was so alles an Texten von der Schulzeit allmählich wieder hochkommt, wenn man jeden Tag singt! Ich kann von etlichen Liedern jetzt 4 oder 5 Strophen, die ich vergessen zu haben meinte.
Und was glaubt ihr: Jetzt, nach einem Jahr, habe ich keine Hemmungen mehr zu singen (die Leute müssen manchmal denken, ich hab sie nicht mehr alle, wenn ich mit meinem "Tragetuchpaket" vor dem Bauch hin und her schwanke und singe ...), und meine Stimme ist tatsächlich auch kräftiger geworden.
Also: Singen, Singen, Singen!
