Böhmische Musik auf der Harfe

Josef

Beitrag von Josef »

klar, kein Problem.
allerdings hat mein Aufsatz nur den Charakter eines Reviews, die Infos sind somit nicht "meine" und zur Vorlesungsvorbereitung verweise ich sicherheitshalber auf die zitierte Primärliteratur.

Josef
Zuletzt geändert von Josef am Di 27. Sep 2005, 22:55, insgesamt 1-mal geändert.

curmisagios

Beitrag von curmisagios »

hallo,

mich interessiert die böhmische harfentradition auch (einerseits weil eine echte wienerin tschechische vorfahren hat :_smile_:, andererseits weil mir die konnotation harfe=irisch auf die nerven geht ), ich kann nur zur rekonstruktion nicht viel beitragen, weil ich keine noten lesen kann...
hast du vielleicht höhrbeispiele oder cd-tipps für mich bezüglich böhmischer volksmusik (gern auch tschechischpsrachig, muß nicht harfe sein)? die cd von tom daun hab ich, die scheint mir aber doch recht klassisch. oder täusch ich mich da?

lg,
j.

Josef

Beitrag von Josef »

servus Julia,

Die von Nancy Thym gesungenen + gespielten deutschen Lieder aus dem Repertoire der böhmischen Harfner aus Pressnitz konnte man dieses Jahr beim Harfentreffen am Mosenberg hören, ich weiß allerdings nicht, ob sie die schon mal auf Scheibe gebannt hat.

Hörbeispiele der tschechisch-böhmischen Harfentradition habe ich leider keine (ist ja ausgestorben), ich müßte mir mal das Notenmaterial aus J.Klenha (1998) bei jemandem anhören, der vom Blatt spielen kann. Die andere Frage ist natürlich, wie genau die das, was sie gespielt haben, aufschreiben konnten.

Du kannst versuchen, im Internet ins tschechische "Folklore-Radio" hineinzuhören: http://www.rozhlas.cz/folklor/portal/ (Der Stream ist jedoch leider seit neuestem im OggVorbis-Format), da werden verschiedene Interpretationen böhmischer und mährischer Volksmusik gespielt. Man muß aber Glück haben - die Qualität der musikalischen Darbietung ist seeehr unterschiedlich, je nachdem, welche Sammlung sie gerade spielen. Es werden dort ständig hintereinander sieben Sammlungen gesendet, und zwar folgende:
- Volkslieder aus Böhmen (v.a. mit Dudelsack und Geigen)
- Volkslieder aus Mähren (diverse Zimbal-Ensembles)
- Volkslieder aus Westböhmen (verschiedene Gruppen)
- Volkslieder aus der Walachei und der Region bei Uherský Brod (Zimbalmusik)
- mährische Volkslieder in der Bearbeitung des Ensembles Javornik Brno
- die ältesten Volkslieder in der Bearbeitung der Orchester Karmina und Musica Bohemica
- tschechische und mährische Volkslieder in der Bearbeitung sehr verschiedener Folkbands - manche machen bei ihrer Interpretation leider einen auf Country&Western (ein merkwürdiges Überbleibsel aus den Zeiten, als Ami-Musik von den Obrigkeiten nicht gern gesehen und daher sehr populär war), andere auf modern (z.B. die Gruppe Cechomor, quasi das tschechische Äquivalent zu Tri Yann).

Harfnerische Grüße
Josef
Zuletzt geändert von Josef am Do 29. Sep 2005, 01:38, insgesamt 1-mal geändert.

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merit
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Beitrag von merit »

Hallo Josef, hat sie leider noch (?) nicht. (Ich beziehe mich auf die vorige mail.)
Liebe Grüße, Merit

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Andreas
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Beitrag von Andreas »

Hallo Josef,
Josef hat geschrieben:Hörbeispiele der tschechisch-böhmischen Harfentradition habe ich leider keine (ist ja ausgestorben), ich müßte mir mal das Notenmaterial aus J.Klenha (1990) bei jemandem anhören, der vom Blatt spielen kann. Die andere Frage ist natürlich, wie genau die das, was sie gespielt haben, aufschreiben konnten.
Wie komme ich denn an das Notenmaterial? Ich kann das zwar wahrscheinlich nicht "vom Blatt spielen" (also ungeübt spielen) aber sicher "nach Noten spielen" (also mit etwas Übung erarbeiten). Ausserdem kann man/ich Capella verwenden um aus Notenmaterial Midi zu machen, das klingt zwar nicht toll, ist aber allemal ein Hilfe bei der Erarbeitung.

Ihc bin auch immer inetressiert an Alternativen zur irisch/schottisch/bretonischen Tradition.

Gruss,
Andreas.
Andreas (aus Hamburg)

Josef

Beitrag von Josef »

Andreas hat geschrieben:Wie komme ich denn an das Notenmaterial?
Einiges vom überlieferten Material hat Jiri Klenha im "Harfenspiel in Böhmen" veröffentlicht (siehe Merits Rezension auf http://www.abwegslung.de/abw_rezension_ ... lenh01.htm ). Ich habe das Buch da, kann aber wie gesagt mit Noten wenig anfangen. Vielleicht sollte ich mal den Autor auf der Karlsbrücke besuchen, wo er regelmäßig musiziert, und aufmerksam zuhören... Jetzt am Wochenende fahre ich zwar nach Böhmen, allerdings nicht nach Prag, nur nach Reichenberg (Nordböhmen, etwa 30 min von Zittau), will aber weitere Quellen recherchieren. Auch in Reichenberg wurde Harfe gespielt, wie das Foto Nr. 10 in Klenhas Buch besagt.

Ich habe ihm auch bereits geschrieben und nach der Verfügbarkeit der Notensammlungen der nechanitzer Harfenspieler gefragt. Bin schon neugierig auf die Antwort und sage euch dann bescheid.

Harfliche Grüße
Josef

breizhatavpilamiks

Beitrag von breizhatavpilamiks »

Ich find's sowieso schön, wenn neben den irisch-schottisch-bretonischen Standards vermehrt andere Einflüsse in die Szene Einzug halten. Zumal sich meine Adungu (also die ugandische Baßharfe) sehr für Experimente mit afrikanischen, aber auch rockigen Einflüssen eignet. Ich werde diese Richtung hoffentlich im Duett mit Siggys Clarsach weiter verfolgen.
Für mitteleuropäische Musik müßte ich wohl verstärkt auf alpinen Wechselbaß setzen.
Bin jedenfalls schon gespannt auf Material aus Nechanitz.

Josef

Beitrag von Josef »

breizhatavpilamiks hat geschrieben:Ich find's sowieso schön, wenn neben den irisch-schottisch-bretonischen Standards vermehrt andere Einflüsse in die Szene Einzug halten.
Gelten die denn in "der Szene" überhaupt noch als Standard? Zumindest in diesem Land ist die Harfe inzwischen weit weg von Stivell divergiert und auf den Harfentreffen plingelt doch inzwischen jeder das, was er will.

Harfliche Grüße
Josef

breizhatavpilamiks

Beitrag von breizhatavpilamiks »

Na ja, die Volksmusikfraktion mit den Tiroler Harfen ist nicht so schwach vertreten. Kann sein, daß meine Wahrnehmung verzerrt ist, weil sich in meinem Umfeld zwangsläufig viele Keltophile herumtreiben.

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merit
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Beitrag von merit »

breizhatavpilamiks hat geschrieben:Für mitteleuropäische Musik müßte ich wohl verstärkt auf alpinen Wechselbaß setzen..
....was hoffentlich an Umfang und Skala der afrikanischen Harfe liegt und nicht an Deinem eigenen musikalischen Wollen! Sollte dem nicht so sien, kann ich Dir empfehlen, Dich z.B. in die unglaublich abgefahrene Polyrhytmik vieler Schleuniger hineinzuvertiefen. Das ist so ziemlich dasselbe, was die südamerikanischen Harfenspieler machen - man muß es nur entdecken.
Herzliche Grüße, Merit

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