Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Harleylady
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 355
Registriert: Sa 14. Aug 2010, 15:37
Postleitzahl: 64372
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Meine "Old Lady": Konzertharfe Lyon & Healy Stil 23 Gold (Bj. 1972) und "Black Beauty": Salvi Prima, eine matt schwarze Hakenharfe 34- saitig (Darmsaiten), Aoyama 130 Nylon.
Wohnort: Niedermodau/ Oberramstadt im schönen Odenwald

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Harleylady »

Orchesterstimmung ( Konzertharfen) in der Regel 443 Hz, Ausnahmen z.B. Stuttgart mit 445 Hz. "Normalstimmung" aller Harfen bei uns 441 Hz (Akademie,Privat etc.) ,dann ist man/frau schneller bei der Orchesterstimmung (falls notwendig) und es ist dauerhaft nicht zu viel Zug auf der Säule ( die sich mit der Zeit absenken könnte laut renommierter Harfenbauer/techniker ),das ist auch eine angenehme Stimmung für Hakenharfen. Soviel dazu in jahrzehntelanger Berufserfahrung-ciao Ute :_smile_:
Benutzeravatar
Der Juergen
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 5832
Registriert: Mi 23. Feb 2005, 18:50
Postleitzahl: 36318
Land: Deutschland
Wohnort: Schwalmtal-Hergersdorf (Vogelsbergkreis)
Kontaktdaten:

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Der Juergen »

Christian_Hofmann hat geschrieben: Do 8. Jul 2021, 19:52die meisten empfinden die Stimmung am angenehmsten. Für gewöhnlich werden Instrumente aber bei 440 Hz gestimmt. Ich glaube die 432 Hz sind auch insoweit sinnvoll weil eine Harfe eher etwas tiefer sein soll. Aber natürlich kann man sie auch anders stimmen, aber sehr viele Harfenbauer nehmen den kammerton bei 432. Ach so, bemühe ruhig mal Google mit der Frage "432 hz vs 440 hz" aber Vorsicht du bekommst viel Halbwissen, Quatsch und Esoterik geboten. Aber spannendes thema.
Da bekommst du fast nur Quatsch (auch in Form von Esoterik) geboten!
Wie bei all den alt- und neumodischen Mythen wird auch dabei geschwurbelt, was das Zeug hält.
Selbst davor, Verdi ein Plädoyer pro 432 Hertz in den Mund zu legen, scheut man sich nicht.
Der Kram entstammt der anthroposophischen Fantasiewelt Steiners und wurde durch allerlei »Jünger/innen« ausgewalzt, siehe beispielsweise Maria Renold.
Hier im Forum hatten wir das alles schon mal ausführlicher – auch die tatsächlichen mathematischen Überlegungen Joseph Sauveurs, die mit Musik oder Planetengedöns null zu tun haben.

Im Übrigen ist auch die Aussage falsch, dass »sehr viele Harfenbauer« den Kammerton auf 432 Hz setzen.
Es mag so etwas auf Kundenwunsch geben, aber oft passiert das nicht. Wieso auch?
#HarpistsForFuture www.harfensommer.dewww.harfensymposion.de (beratende Mitarbeit) • harfenbaukurs.de • harfenwinter.de • zeitenklang.de

Das Ziel ist das Ziel.
Jürgen Steiner
Harleylady
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 355
Registriert: Sa 14. Aug 2010, 15:37
Postleitzahl: 64372
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Meine "Old Lady": Konzertharfe Lyon & Healy Stil 23 Gold (Bj. 1972) und "Black Beauty": Salvi Prima, eine matt schwarze Hakenharfe 34- saitig (Darmsaiten), Aoyama 130 Nylon.
Wohnort: Niedermodau/ Oberramstadt im schönen Odenwald

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Harleylady »

Genau lieber Jürgen,ich wollte es nur nicht so drastisch ausdrücken :_wink_: .
Benutzeravatar
Maira
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 4555
Registriert: So 6. Jan 2013, 17:59
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Maira Bausatz von Klaus Regelsberger, Schwabach
Hobbit von Klaus & Annika Regelsberger, Schwabach
Fischer 80 von Thomas Fischer, Traunstein

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Maira »

Das mit den Horngachern war KEIN Stimmproblem, beide spielten in der selben ,, Harfenklasse " mit
wir hatten 441 Hertz Kammerton A.
Nein, es kann wirklich am viel Spielen und am wie kraft-gefühlvoll und am Ausdruck
des Ausführenden liegen.
Immerhin schwingt die Decke mit. Wird sie oft in Schwingung gebracht
dann tut sie das auch eher / spricht direkter auf die bewegte Saite an.
@ Jürgen : nein, nicht die esoterischen sondern die rein physikalischen Schwingungen.... :_wink_:

432 Hertz sind oft ältere Stimmungen, es gibt alte Instrumente die soll man nicht
auf Deuvel komm raus fest spannen damit sie dann 443 Hertz erreichen.
Da geht dann gerne mal was kaputt was dann teuer zu Reparieren ist.
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.
Benutzeravatar
Der Juergen
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 5832
Registriert: Mi 23. Feb 2005, 18:50
Postleitzahl: 36318
Land: Deutschland
Wohnort: Schwalmtal-Hergersdorf (Vogelsbergkreis)
Kontaktdaten:

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Der Juergen »

Maira hat geschrieben: Fr 9. Jul 2021, 12:48@ Jürgen : nein, nicht die esoterischen sondern die rein physikalischen Schwingungen.... :_wink_:

432 Hertz sind oft ältere Stimmungen
Es gibt »ältere Stimmungen« … gefühlt Hunderte, aber nenne mir die historische, die den Kammerton auf 432 Hz hat, und du bekommst von mir persönlich 100 Gummipunkte! :_grin_:
#HarpistsForFuture www.harfensommer.dewww.harfensymposion.de (beratende Mitarbeit) • harfenbaukurs.de • harfenwinter.de • zeitenklang.de

Das Ziel ist das Ziel.
Jürgen Steiner
Benutzeravatar
ClarSach
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 540
Registriert: So 14. Feb 2010, 10:37
Meine Harfe(n): jetzt:
klassisch: L&H Prelude
vielseitig: Camac Excalibur
reiselustig: Salvi Heather

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von ClarSach »

Als ältere Stimmungen kenne ich nur A=415 Hz und oft gebraucht für Barockmusik (klingt ein halber Ton tiefer als A=440 Hz, ich habe so eine Flöte). Auch kenne ich noch A= 392 Hz (ein ganzer Ton unter A=440Hz) daß manchmal auch für alte, einkleppigen Flöten gebraucht wird.

Aber A= 432 Hz? Das is meiner Meinung auf falschen Annahmen gegründet. Dies wird überzeugend (auf English) erklärt durch Ruth E. Rosenberg in a recent Journal of Popular Music Studies at: https://online.ucpress.edu/jpms/article ... Promise-of
Benutzeravatar
bastian
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 2614
Registriert: Fr 29. Aug 2008, 09:53
Postleitzahl: 55246
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): "Die Kleine": Brian Boru von der Klangwerkstatt (Ahorn/Fichte/Stahl)
"Die Cadiz": Cadiz von Henrik Schupp (Eiche/Fichte/Nylgut)
Wohnort: Mainz-Kostheim
Kontaktdaten:

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von bastian »

So, bevor es jetzt hier in die Frage nach dem Kammerton und Stimmsystemen abgleitet, verweise ich mal vorerst freundlich auf die Suche hier im Forum. Das wurde durchaus schon umfassend, mit und ohne Esoterikkomponente, diskutiert.

Geht aber m.E. am Anliegen von aquatinte5 vorbei.

Ich höre das ähnlich wie Du: es gibt nur ganz wenig Doppelpedalharfen, die ich klanglich schön finde. Gerade die teuren, hochgelobten Horngacher z.B. finde ich als Soloinstrument oft sehr dumpf. Ich führe das allerdings auf andere Dinge zurück, die bisher m.E. noch wenig diskutiert worden sind.

Zum einen ist die Harfe kein klassisches Soloinstrument. In der klassischen Musik gibt es nur wenig, wo die Harfe wirklich eine Rolle spielt, oft ist sie eher ein Effekt. Ausnahmen gibt es natürlich, z.B. in Carmen. Aber das sind eben... Ausnahmen.
Insgesamt führt das dazu, dass an eine Konzertharfe ganz andere Anforderungen gestellt werden als an eine Keltische Harfe. Diese Instrumente sind weniger auf Klangfülle denn auf Lautstärke optimiert, damit man sie in einer Orchesterzusammensetzung überhaupt hören kann. Auch sind sie so gebaut, dass Sie in jeder Klimazone weltweit verkauft werden können ohne Risse zu kriegen. Und nicht zuletzt, werden sie auch auf Aussehen (funierte Decken) und lange Haltbarkeit optimiert.
Hohe Saitenspannungen, dicke funierte Klangdecken, massive Instrumente... All das führt in der Summe m.E. dazu, dass der Obertonreichtum einer Keltischen Harfe für eine Doppelpedalharfe oft unerreichbar ist.

Leider.

Auf CDs kann man mit Equalizern, Hall und so weiter elektronisch nachhelfen. Das ist unplugged eben nicht möglich.

Ich sag mir dann: ha, wieder Geld gespart :_grin_:

Viele Grüße,
Sebastian
Nulla vita sine musica.
Benutzeravatar
Barbara
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 328
Registriert: So 5. Jun 2005, 22:56
Postleitzahl: 91056
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Bluebell von Klaus Regelsberger, 41-saitige Mürnseer
Wohnort: Erlangen

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von Barbara »

Bei mir war es umgekehrt: Ich habe jahrelang Hakenharfe gespielt, und dann noch eine Mürnseer dazu geholt, weil ich mehr klassische und Volksmusik spielen wollte und mir der rundere Klang der großen Harfen gut gefällt. Meine Mürnseer liegt vom Klang her etwa zwischen Volks- und Pedalharfe, und ich fand ihn vom ersten Moment an herrlich.
Aber... Als ich nach ein paar Wochen, in denen ich nur auf der großen gespielt hatte, mal wieder zur kleinen (Bluebell von Regelsberger) gewechselt bin, bin ich richtig erschrocken: Der Klang, den ich jahrelang sehr geliebt hatte, kam mir plötzlich so scharf und schrill vor, dass ich es kaum ausgehalten habe. Ich musste mich da erst richtiggehend wieder dran gewöhnen. Mittlerweile mag ich wieder beide. Aber der erste Schock war doch sehr überraschend.

Ansonsten kann ich mich den Vorschreibern anschließen: Bei größeren Harfen mit dickeren Saiten und höherer Saitenspannung muss man ganz anders reinlangen, um einen schönen Ton zu bekommen. Das ist es aber wert! Wenn ich da mit meinem zarten Bluebell-Anschlag zupfe, kommt da nicht viel raus. Aber das kraftvollere Spiel hat man schnell raus, mir macht es auch mehr Spaß, weil man viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten für den Klang hat Und ich lerne Stücke mit der großen Harfe tatsächlich schneller und mache schneller Fortschritte, weil sich die kraftvolleren Bewegungen besser ins motorische Gedächtnis einprägen als zartere, kleinere (letzteres ist aber nur mein persönliches Empfinden, keine Ahnung, ob das wissenschaftlich belegbar ist).
It's the mystery that endures. Not the explanation.
Benutzeravatar
aquatinte5
schon länger da
Beiträge: 22
Registriert: Do 16. Apr 2020, 13:07
Postleitzahl: 86157
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Saphir (Esche) von Glissando
Wohnort: Augsburg

Re: Pedalharfenbefremdung - wird es besser?

Beitrag von aquatinte5 »

Vielen Dank für eure wertvollen Beiträge!

Ich fasse zusammen:

* Es ist tatsächlich etwas dran, dass diese Instrumente "dumpfer" klingen, was u.a. auch an ihrer Konstruktion liegt (sehr schlüssige Argumentation, @bastian!), trotzdem hängt es auch von der Spielweise ab, wie viel Klangreichtum man herausholen kann. Die großen Instrumente erfordern eine besondere Technik, um wirklich gut zu klingen.

* Man kann sich tatsächlich daran gewöhnen und den Klang schätzen lernen, was mich doch sehr neugierig macht auf meine weitere Entwicklung, bzw. "harp journey" ;) wie der Ami sagen würde.

@Barbara: Ich weiß genau, was du meinst! Hatte diesen Effekt neulich, als ich meiner Mutter auf der Hakenharfe eine Variation aus "Minstrel's Adieu to his Native Land" vorgespielt habe (definitiv ein Pedalharfenstück, da kann die Bearbeitung für Hakenharfe noch so gut "funktionieren"). Danach haben wir uns virtuose Darbietungen auf der Pedalharfe angehört, zum Vergleich. Und mal abgesehen davon, dass ich natürlich nicht in dieser "Liga" spiele, war der klangliche Unterschied sowas von frappierend! Habe es auch kaum ausgehallten, dieses glockenhelle der Hakenharfe, als würde es mich schrill aus dem Schlaf bimmeln, und meine Mutter empfand den Klang plötzlich (!) auch als zu "aggressiv". Wir sind dann beide zum Schluss gekommen, dass es tatsächlich zwei verschiedene Instrumente sind. :_smile_:
Antworten