Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Du hast etwas schönes, ärgerliches, spannendes, trauriges mit deiner Harfe erlebt? Erzähl uns davon.
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MusikMacher
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Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von MusikMacher » Do 16. Mai 2019, 21:23

Hallo zusammen,

nun bin ich seit knappen zwei Jahren Amateurharfenistin, sehr zur Freude meiner Kolleginnen und Kollegen in meinem Uniorchester, die direkt für ein Programm mit Harfe für dieses Semester gestimmt haben. Nun fühle ich mich natürlich sehr geehrt und freu mich auf die neue Erfahrung (und um ehrlich zu sein, auf die besondere Position als einzige Harfenistin, sowas hatte ich zuvor mit der Geige nie), auf der anderen Seite geht mir mein Allerwertester gelinde gesagt auf Grundeis.
Ich muss nämlich immer wieder feststellen, dass es mir extrem schwerfällt, meine Augen von meinen Händen und somit vom Instrument zu lösen um entweder auf die Noten zu gucken (ich lerne eigentlich schnell auswendig, vom Blatt spielen geht dafür fast gar nicht) oder natürlich im Zweifel in Richtung Dirigent.
Da wir Vysehrad und die Moldau von Smetana spielen sind neben ein paar prominenten Harfenstellen (die zum Glück meist relativ angenehm liegen) auch einige Passagen mit immer unterschiedlichen (tlw. unbequemen) Akkorden inkl. Pedaltreten dabei. Und obwohl ich, wie oben erwähnt, ganz gut bin, mir die Noten zu merken, möchte ich mich nicht drauf verlassen, mir 6 Seiten Notentext zu behalten, denn es wird ein Konzert geben und wenn ich dann einen Blackout habe und nie gelernt habe, auf die Noten zu gucken und meinen Händen zu vertrauen, wird es richtig unangenehm.
Lange Rede - kurzer Sinn: Habt ihr Tipps für mich, mich bzw meine Augen von meinem Instrument zu lösen, bewusst nach den Noten zu spielen, die ich gerade sehe und dabei nicht mit meinen Händen die Orientierung auf dem Instrument zu verlieren?

Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen schildern, es klingt vielleicht ein bisschen doof, aber ich hab das Gefühl ich bin diesbezüglich echt hinterher.
Schonmal vielen Dank!

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Maira
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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von Maira » Fr 17. Mai 2019, 15:27

Da hat so manch einer ein Problem damit.
Selber habe ich den Notenetext schneller im Kopf als in den Händen.
Daher verfahre ich nach dem Motto: auswendiglernen.
Das klappte mit den Dyaden von B.Andres genauso wie mit In a landscape von John Cage (15 Zeilen x 15 Takte+Schluss= 226 Takte).
Auf Noten gucken und spielen klappt bei mir sehr wenig.
Kommt da noch ein Dirigent dazu dann muss ich die Stücke ohne Noten spielen können,
sonst geht es gar nicht. Da ich auch nur zu meinem Vergnügen spiele ( kein Profi) nehme ich mir das heraus.
Im Übrigen muss ich ordentlich üben. Bis das Stück sitzt (egal wie lang es ist) kann ich das dann auch ohne Noten.
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.

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merit
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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von merit » Sa 18. Mai 2019, 11:00

Lieber Musikmacher, ich als Außenstehende (ich spiele - wenn nach Noten - auswendig und ansonsten ohne Notengrundlage) habe folgendes beobachtet und mir erklären lassen:

So lange wie möglich die Augen auf den Noten haben und blind spielen und wenn nötig, hin - und hergucken (das heißt, daß man sich erstmal überlegen muß, bevor sich die Sache routiniert hat, wann man auf die Harfe schauen muß).

Es ist bezüglich des Hin- und Herschauens sinnvoll, sich Gedanken über den Standpunkt des Notenständers zu machen (möglichst wenig Kopfdrehen spart Zeit).

Oder auswendig spielen. Wenn man sich youtube-Videos von Klassikern anschaut (Tip!), ist beides dabei.

Liebe Grüße, ich wäre neugierig auf Lösungsberichte! Merit Zloch

Gamia
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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von Gamia » Mi 12. Jun 2019, 07:49

Das Problem ist in der Tat ein sehr grundlegendes, ich habe ebenfalls sehr zügig meine Sachen im Kopf so dass Notenlesen während des Spiels sich erübrigt. Dennoch Versuche ich immer wieder so viel wie es geht blind zu spielen, damit ich mich nicht von dem Visuellen anhängig mache. Da hilft zB im Dunkel zu üben.
Die Erfahrung habe ich (Berufspianistin und Organistin) mit meinen anderen Instrumenten gemacht, es macht zwar Arbeit aber gibt am Ende mehr Sicherheit und Freiheit, so dass man sich komplett auf die Musik konzentrieren und verlassen kann.
Liebe Grüße in die Runde!
Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist noch nicht das Ende :_wink_:

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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von merit » Do 20. Jun 2019, 10:01

Liebe/r Gamia, yessss, jemand, der professionell Klavier und Harfe spielt! :-)

Wie siehst Du das mit dem Unterschied beim Notenlesen bei beiden Instrumenten? Ich habe mehrfach gehört, auf dem Klavier sei es viel einfacher, da man nicht hin- und herschauen muß - allerdings haben mir das bisher nur Hobbymusiker erzählt.

Kannst Du den Unterschied beschreiben? Herzliche Grüße, Merit Zloch

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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von Dorothee » Do 20. Jun 2019, 23:14

Mein Mann spielt seit vielen Jahren KirchenOrgel. Neue Stücke spielt er gleichzeitig mit Händen und Füßen vom Blatt und er sagt, er guckt nie auf seine Finger.

Ich stehe immer staunend dabei. Auch nach so viel Jahren! "oh! Hast du ein neues Stück geübt?" "Nein, ich spiele es gerade zum ersten Mal!" :_shocked_:

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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von Sonnenschein19 » Di 1. Okt 2019, 22:21

Hallo an alle,
ich habe hier im Forum gestöbert, auch wenn ich noch ein Frischling bin.
Der Tipp, im Dunkeln zu spielen, das werde ich einmal probieren.
Als Anfängerin schaue ich sehr oft auf die Saiten.
Ich habe auch das Problem mit dem Notenlesen.
Meine Lehrerin sagt, dass es gar nicht machbar ist, bei schnellen Stücken alle Noten lesen zu können.
Deshalb hat sie mir den Tipp gegeben, zu erfassen, um was für Noten es sich handelt, zum Beispiel Grundakkord oder 6 Akkord, dann brauche ich nur die unterste Note lesen und der Rest ist dann ja klar.

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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von BeLinda » Mo 25. Nov 2019, 13:59

Ich kann auch nur empfehlen zu üben das "Fingergedächtnis" zu verbessern. Heißt, nicht immer auf die Saiten schauen zu müssen sondern nur ab und zu wenn mal größere Sprünge dabei sind. Ansonten blind spielen (lernen).
Das hilft auch massiv für die eigene Sicherheit wenn man z.B. nervös ist beim Vorspielen, so geht es mir zumindest. Mir war nicht klar wie sehr dieses "hoffentlich treffe ich die richtige Saite" mich gehemmt hat, bis ich die Chance hatte, 1,5 Stunden von der lieben Silke Aichhorn gecoacht zu werden.
Treffsicherheit/Fingergedächtnis ist so so so wichtig und man kann damit in Ruhe auf die Noten und auch den Dirigenten schauen während man spielt.

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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von Susanne Globisch » Mo 25. Nov 2019, 16:43

Liebe BeLinda,
Mir war nicht klar wie sehr dieses "hoffentlich treffe ich die richtige Saite" mich gehemmt hat
...freut mich, dass da was "klick" gemacht hat :_smile_:

Falls Du Lust hast, etwas mehr darüber zu schreiben, wie genau es dazu kam, dass Du dieses "hoffentlich..." jetzt weglässt - das würde mich sehr interessieren! Ich (und ich vermute mal: auch die meisten anderen Lehrer*innen) sagen das ihren Schülern ja, nur manchmal kommt es an und manchmal leider nicht... von daher finde ich dahingehende Erfahrungsberichte (also was ist in Dir/mit Deinen Gefühlen jetzt anders beim Spielen) immer sehr spannend!
Z.B. würde mich interessieren, ob Du das mit dem "blind spielen" vorher gar nicht gewusst hast oder nur (aus welchen Gründen?) nicht so geübt hast?

Natürlich nur, wenn Du Lust hast, "aus dem Nähkästchen" zu plaudern, und Du solltest natürlich auch nicht Silkes Methode hier 1:1 "verraten". Aber vielleicht gibt's ja ein Schlüsselerlebnis, das auch anderen weiterhelfen könnte.

Liebe Grüße von Susanne
May Peace and Love be with us. Always.
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Re: Orientierung auf der Harfe & Orchestermusik

Beitrag von BeLinda » Mi 27. Nov 2019, 15:07

Liebe Susanne,

gern versuche ich alles in Worte zu fassen.
Also das man nicht gleichzeitig auf zwei Hände und ein Notenblatt gucken kann ist ja allgemein bekannt :_grin_: Ich hab das auch bisher oft kompensiert indem ich zumindest in Teilen auswendig gespielt habe.
An anderen Stellen hab ich dann eben unbewusst blind gespielt weil es einfach leicht in die Finger ging oder ich eben grad wo anders hingeschaut hab.

Aber ganz bewusst zu üben blind zu spielen, bzw. wirklich z.B. die Augen mal zu schließen und keine Angst zu haben bei längeren Läufen mit Untersetzen und/oder auch größeren "Sprüngen" daneben zu greifen - das habe ich so nie getan. Ich hab immer Angst vor falschen Tönen, sogar beim Üben allein zu hause. Das hat mich immer gehemmt.
Insgesamt hat Silke mir vermittelt noch viel bewusster zu üben. Also immer zu schauen: welcher Finger macht das Problem? Welcher Finger weiß nicht wo er hin soll? Diesen Finger dann gezielt üben bzw. sich auf diesen konzentrieren. Ist es der zweite der immer seinen Platz nicht findet? Dann z.B. die vorherigen Noten spielen und dann nur gezielt den zweiten setzen und abspielen. Sitzt das sicher, den zweiten und dritten setzen und geschlossen abspielen und so weiter. Also nicht einfach immer wieder die schwierige Stelle üben so wie sie da steht, sondern BEWUSST üben und erkennen wie man eine Stelle nach und nach aufbaut so das alle Finger zuverlässig ihren Platz finden.

Es ist wirklich schwer zu erklären jetzt so ohne Noten über die man spricht. Ich hoffe aber es kommt an was ich meine.

Es gab auch noch andere Übungen die wir gemacht haben, z.B. hat Silke mich dazu angehalten noch viel viel lauter zu spielen als ich das eigentlich tue. Aber laut spielen und richtig "anpacken" gibt Sicherheit. Klar hatte ich "laut üben" auch von meiner Lehrerin vorher schon geraten bekommen, aber irgendwie war mir wohl nicht klar wie wichtig das wirklich ist und wie es das Spielen verändert.
Oder sich bei Akkorden immer darauf zu konzentrieren das der zweite Finger seinen Platz findet - der Rest findet sich dann interessanterweise fast immer von ganz allein. Das fand ich total spannend.

Und letztendlich noch: so viel es irgendwie geht setzen. Ich habe eher kleiner Hände und tue mich bei größeren Griffen manchmal schwer damit und neige dazu zu viel "frei rumzuhampeln". Auch kleine Griffe aber ruhig immer setzen und sich nicht drauf verlassen das man eng nebeneinander liegende Saiten "ja schon irgendwie findet".
Planung gibt Sicherheit, also überlegt üben.

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