Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Du hast etwas schönes, ärgerliches, spannendes, trauriges mit deiner Harfe erlebt? Erzähl uns davon.
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Maira
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von Maira »

Daß ein Stück NICHT mit dem Grundakkord endet
gibt es durchaus. Zuweilen ist es ganz nett
mal auf der Quinte zu enden.
Unsere Hörgewohnheiten kratzt das eben weil wir es nicht gewöhnt sind.
Aber das ist das Schöne : jeder wie er will. :_wink_:
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.
mygga
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von mygga »

Zu nahe am Dominant-Sept für mich. Okay, zurück zum Thema.
Wo Sprache keine Worte hat, fängt die Musik erst an. (M.W.)
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Fainwen
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von Fainwen »

Ich hab inzwischen ein System, das für mich ganz gut funktioniert.
1) Meine Lehrerin spielt mir das Stück vor und ich nehme es mir auf (Handy, Recording...)
2) Wir klären Fingersätze, Noten, potenzielle Fallstricke, wir erarbeiten die Zählung ( 1 2 und 3 4.. Wie auch immer)
3) Rechte Hand übt (auch mit Zählen)
4) Linke Hand übt
5) Ich mache mir bei schwierigen Stellen Striche in die Noten, wo welche Note gespielt wird (Gleichzeitig oder dazwischen)
6) sobald rechts einigermaßen (!) sitzt, spiele ich rechts und links zusammen. Meistens ergibt es im Klangbild viel mehr Sinn (für mich) und die linke Hand ist quasi mein Taktgeber für die rechte Hand.
---- ab dem Punkt gucke ich eigentlich nicht mehr in die Noten, noch sind die Stücke so einfach, dass ich mir das erlauben kann :-D ----
7) Ich spiele rechts und singe/summe links
8) Ich spiele links und singe/summe rechts - der bereits genannte Ohrwurmfaktor setzt ein
9) dann wieder rechts und links zusammen, je nach Bedarf
10) wiederholen wiederholen wiederholen

Ich glaube, für viele stellt sich das als massiv kompliziert dar, vor allen Dingen, wenn man schon lang spielt und sich über manche Sachen nicht mehr viel Gedanken machen muss, aber mir hilft es total, wenn ich das Gefühl habe, das Stück bis aufs Letzte durchdrungen und verstanden zu haben :)
Liebe Grüße,
Katharina :_smile_:

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merit
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von merit »

Juchuuu, ich bin nicht allein! Ich muß gestehen, daß meine linke Hand offenbar ebenfalls eine "Metronomfunktion" hat - obwohl ich links beileibe nicht nur Griffpatterns durchorgel.

Beim Unterrichten ist mir zu meiner Überraschung nämlich folgendes aufgefallen: Rechts Melodie spielen, links Grundbeat klopfen - kein Thema. Links Melodie spielen - kein Thema. Dazu rechts Grundbeat klopfen ARGL!

DAs sind dann so Sachen, die mich zum Üben motivieren! :-)
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Fainwen
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von Fainwen »

Naja, ich habe im Moment eigentlich hauptsächlich den Klassiker: Quint-Oktav Griffe. Das ermöglicht mir aber auch den Fokus auf eine kompliziertere Melodie.
Und richtig gemerkt habe ich es bei 'Carol of the bells' zu Weihnachten. Ich hab die rechte Hand einfach nicht hingekriegt, bis ich die linke dazu genommen hab. Dann wars auf einmal ganz einfach :_grin_:
Seitdem warte ich nicht mehr zu lange mit der linken Hand, auch wenn rechts noch nicht 100% sitzt :)
Liebe Grüße,
Katharina :_smile_:

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sharpie
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von sharpie »

merit hat geschrieben: Do 18. Feb 2021, 19:56 @sharpie: Hast Du schon mal versucht, die Melodien korrekt mitzusingen, auf da- da- dumdum-da und so? Aber ohne Schummeln :-) Wenn das klappt, dann machst Du es laut oder im Kopf beim Harfespielen mit. Deine "Hörvorstellung" sollte mit dem "technischen" Harfespiel eine Einheit bilden. Solange das zwei getrennte Sachen sind, ist es nicht hilfreich.
Also das mit dem Mitsingen ist eher nicht so meins. Zum einen kann ich nicht singen. Weder Intonation noch Rhythmus noch irgendwas. Ich kann nur mitsingen. Zum Radio zum Beispiel.
Dazu kommt, dass mein Mann und ich coronabedingt seit fast einem Jahr gemeinsam im Homeoffice sitzen und er somit in Hörweite ist. Er müsste lachen wenn ich singen und ich wäre komplett unentspannt.

Vielleicht könnte ich es mal mit Summen versuchen. Das war einer der Gründe warum ich Harfe spielen wollte. Weil ich Begleitung und Melodie habe und ich quasi die Stimme spielen kann.

Ansonsten grübel ich gerade wirklich daran herum ob ich mich nicht auch einfach ein wenig übernommen habe und beim Lernen zu viele Schritte ausgelassen habe.
Und ob ich nicht einfach das aktuelle nochmal zur Seite lege, Noten werden ja nicht schlecht, und mir etwas einfachere Stücke hernehme um das Lernen nochmal zu lernen.

Ich hab nämlich folgendes festgestellt: ich hatte mir Moon River in einer einfachen Version nochmal rausgesucht, dass ich vor einigen Wochen schon mal "durchgespielt" hatte.
Und als ich dann mal das Hörbeispiel dazu genommen habe, habe ich auch wieder festgestellt, dass ich bei punktierten Noten die Punkte ignoriere, die Pausen nach Gefühl setze und so weiter.

Ich hab noch ne ganze Latte schöner Stücke, zu denen ich Hörbeispiele habe, zum Teil sogar langsam durchgezählt.
Ich denke ich werde die alle nochmal durcharbeiten.

Für´s freie Spielen für die Seele hab ich dann inzwischen ein Ringbuch voll Pattern von Maja Taube wo ich den Flow genießen kann.
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merit
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von merit »

sharpie hat geschrieben: Mo 22. Feb 2021, 07:33
Zum einen kann ich nicht singen. Weder Intonation noch Rhythmus noch irgendwas. Ich kann nur mitsingen.
:-) Deswegen tut man es ja- um die musikalische Wahrnehmung zu verbessern!
Wenn man es regelmäßig tut, aufmerksam das, was bei rauskommt, vergleicht mit dem, was herauskommen soll und es anpaßt, dann wird das besser.

Und dann ist man auf dem Instrument auch nicht mehr so daneben, falls man das vorher war.

Herzliche Grüße, Merit Zloch
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sharpie
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von sharpie »

So herum habe ich es noch nie betrachtet.
Ich war bisher der Meinung wofür man kein Talent hat, lasse man lieber bleiben.
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Maira
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von Maira »

Kein Talent, UNMUSIKALISCH, sind nachgewiesernermaßen die Wenigsten.
1-2% der Menschen sind richtig unmusikalisch.
Bei ihnen fehlen ein paar Hirnwindungen oder sie sind etwas anders gestrickt.
65% sind durchaus musikalisch.
Der Rest hat es nur nicht gelernt.
Daher: mach, vielleicht bist Du einer von denen, die es nicht gelernt haben
weil sich da noch keiner drum gekümmert hat.

Devise: nur nicht aufgeben :_wink_:
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.
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merit
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Re: Lernmethoden beim Musizieren (wie erarbeitet ihr euch Stücke)?

Beitrag von merit »

@sharpie: "Talent" als solches gibt es nicht, Maira hat recht. Die Vorstellungen, es gäbe Leute, die das einfach mit einem kleinen bißchen üben super hinkriegen, ist noch erstaunlich vorherrschend und ich kämpfe mit gezücktem Schwert :-) dagegen an, wo ich nur kann.

Frag mal z.B. Deine Lehrerin, wie viele Jahre sie studiert hat und wieviel Stunden sie währenddessen geübt hat. Frag sie dann, wie lange sie vorher Harfenunterricht hatte und wieviel Stunden am Tag sie dabei geübt hat. Und frag sie, wie lange am Tag sie jetzt übt. Dann frag - wenn sie Orchestererfahrung hat, was ich annehme - auch noch nach den Probenzeiten.

Bei Freunden, die hobbymäßig unterwegs sind und sicher spielen, am besten die Frage von "Wie lange übst Du am Tag?" umändern in "Wieviel Zeit verbringst Du mit Deinem Instrumen?"

Es gibt Leute, denen fällt das alles ein wenig leichter. Für die allermeisten von denen ist es völlig normal, daß sie sich mit ihrer Stimme und ihrem Instrument beschäftigen müssen, um besser zu werden. Die haben oft sogar Spaß daran! :-) Die Einstellung spielt da eine Riesenrolle. Ich zitiere hier gleich noch meinen "Lieblingsperkussionisten": Ein Profiperkussionist ist derjenige, der nicht aufgibt. Siehe Maira.

Das Allerhinderlichste beim Weiterkommen ist es, sich damit zu vergleichen, wie schnell andere was schaffen. Für die meisten guten Musiker, die ich kenne, stellt sich allein die Frage "Will ich das können?" - und dann üben sie das halt, so lange wie es braucht.

Zum Thema "unmusikalisch" empfehle ich die heilsame Lektüre " Der einarmige Pianist: Über Musik und das Gehirn | Sacks, Oliver, Kober, Haine"
Für Lernpsychologie gibt hier schon irgendwo eine lange Literaturliste.

Herzliche Grüße, Merit Zloch
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