Harfe mit Handicap

Ghwenhyfar
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Ghwenhyfar » Mi 19. Feb 2020, 23:31

Ihr Lieben,
ich hab es getan! Am 10. März macht sich eine kleine Harfe (29 Saiten) auf den Weg zu mir. Zunächst ein Leihinstrument.
Ich freu mich gerade wie bolle, das ausprobieren zu können und mein Gefühl sagt mir erstmal, daß es ganz gut funktionieren könnte.
Wenn ich keine Ohren hätte, würde ich wahrscheinlich im Kreis grinsen.
Ich gehe da aber ganz entspannt ran, ohne große Ansprüche- es soll Freude bereiten. Kein Lehrer - autodidaktisch. Ich kann Noten lesen und werde die richtigen Saiten schon finden. Ich werde wohl versuchen selbständig alternative Bewegungsabläufe zu entwickeln und denke, da könnte ein Lehrer u.U. auch hemmend sein. Und sollte es sich doch als zu schwer herausstellen, bleibt mir immer noch ein tolle, wertvolle Erfahrung. Interessant ist auch die Reaktion des Umfeldes, wenn ich das erzähle... Erst ein kurzes Stutzen und dann kommt meist: "Das passt zu dir!" Hoffen wir jetzt einfach, daß meine und deren Einschätzung auch wirklich zutreffen... ;-)
Danke, daß ihr mir da mit euren Gedanken und Ideen Mut gemacht habt!

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Vera
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(mag ich immer noch sehr gerne spielen)
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HAKEN, keine Klappen
(allerdings hab ich sie in C-Dur gestimmt)

Dann ist mir kürzlich eine Camac Korrigan zugelaufen.
Mit Darmsaiten.... muss ich mch erstmal dran gewöhnen

Aber wie ich mich kenne ist das noch nicht das Ende der
(Harfen) Geschichte
.
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Vera » Do 20. Feb 2020, 05:56

Und für welche Harfe hast du dich entschieden?
Neugierig frag
Reich ist, wer mehr Träume im Herzen hat, als die Realität zerstören kann

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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Mary Greenleaf » Do 20. Feb 2020, 08:04

Hallo liebe Ghwen,

wenn Du autodidaktisch anfängst, kann ich Dir das Büchlein "the harper's manual" von Laurie Riley empfehlen. (https://laurierileymusic.com/books-by-laurie-riley/ Du mußt ein bisschen runterscrollen)

ein Auszug aus der Inhaltsangabe:
" - Practicing
- Effectively Embracing Your Harp – A Lesson in Ergonomics
- All About Hands
- Playing Challenges and Technique Modifications"

Laurie war zur selben Zeit Mitglied im Virtualharpcircle (yahoo Gruppe) wie ich und hat mir einige Male auf die Hände geschaut und mit der Technik geholfen, als ich noch alleine unterwegs war. Weil es dann immer wieder Fragen zu Spielen mit Handicap gab ( Triggerfinger, Neuromyalgie...) hat sie dieses Büchlein geschrieben und veröffentlicht (also nicht wegen mir :_smile_: ). Ich habe noch die alte Ausgabe und die hat mir selbst sehr geholfen. Trotzdem mußte meine Lehrerin 4 Jahre lang all die Haltungsfehler, die ich mir so selbst zugefügt habe ausbügeln. Das war harte Arbeit! Ich denke es wäre echt gut wenn Du Dir wenigstens für den Anfang jemanden suchen würdest, der Dir ab und zu mal auf die Finger schaut, damit Du locker bleibst. Das sollte schon reichen, denn die falschen Ausgleichbewegungen können Dich auf lange Sicht noch mehr verletzen als eine Steife Hand. Das soll Dir keine Angst machen und Dich nicht davon abhalten alleine anzufangen, aber sei Dir bewußt, dass da Verletzungspotential besteht und suche Dir Hilfe. Vielleicht gibt es ja jemanden im Forum der in Deiner Nähe ist und sich mal mit Dir treffen kann, oder Du nimmst ein paar Übungsstunden über Skype. Da bieten einige Leute im Forum welche an. Es lohnt sich jedenfalls auf lange Sicht. Es kann übrigens auch nicht schaden Dein Instrument mal mit zur Ergotherapie oder Reha zu nehmen...

Liebe Grüße und happy harping,
Mary (ne Kasandra :_wink_: )
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von mygga » Do 20. Feb 2020, 11:57

Du solltest dann auch mal ganz weit nach unten scrollen.

Da gibt es auch ein Buch "Harping with a Handicap".
Und "Harping with one hand".
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Mary Greenleaf » Do 20. Feb 2020, 11:59

Hallo Mygga,
das kannte ich noch gar nicht! Danke!!!
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Ghwenhyfar » Do 20. Feb 2020, 14:33

Ui... die Buchempfehlungen sind super!
Also: Ich habe mich für eine Harfe von Glissando entschieden, das Modell "Jade".
Zunächst hatte man als kleinere Harfe einen Flyer mit der "Juno" von Salvi mitgeschickt, aber soweit ich es beurteilen konnte, kam mir die Jade klanglich deutlich mehr entgegen und ich hab dann direkt nach ihr gefragt. Sie scheint einen wärmeren Klang zu haben als die Salvi-Harfe. Wenn ich aufgrund der Größe schon Abbstriche machen muß, weil tiefere Oktaven numal nicht dabei sind, wollte ich ein wärmeres Klangbild...
Ich hab gedacht, die kleinere Harfe wird mir die anfangs sicherlich eher unsichere Handhabung/Händelung erleichtern, sowohl von der Größe, als auch vom Gewicht her...

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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Astralis » Do 20. Feb 2020, 15:40

Mary Greenleaf hat geschrieben:
Do 20. Feb 2020, 08:04
Es kann übrigens auch nicht schaden Dein Instrument mal mit zur Ergotherapie oder Reha zu nehmen...
Das ist eine interessante Sache und ich hatte mir auch schon überlegt, das Thema hier im Forum mal anzusprechen. Ich hatte meine Harfe zum Rheumatologen, zur Hand-Ergotherapeutin und zur Physiotherapeutin mitgenommen. Und alle drei Stuften die konventionelle Art, Harfe zu spielen, als nicht sonderlich ergonomisch ein (was aber auch bei so einigen anderen Instrumenten der Fall ist). Am intensivsten hab ich das Thema mit der Hand-Ergotherapeutin angeschaut, mit der zusammen ich dann auch meine Spieltechnik entsprechend angepasst habe (und immer noch dran bin).
Bei mir ging es vor allem um den Winkel der Finger zu den Saiten. Bei der Gitarre zupft man ja in der Regel im rechten Winkel zur Saite. Bei der Harfe kippt man die Hände aber eher etwas nach innen, was den Winkel verändert und man somit etwas seitlich zupft. Und dies führt dazu, dass es bei den Fingern eine Belastung gibt, die geringfügig nach aussen drückt. Unter normalen Umständen ist das kein Problem. Aber ich hab etwas überbewegliche Gelenke und meine Muskeln und Sehnen müssen mehr Stabilisationsarbeit leisten. Darum kann schon eine geringe Belastung in die falsche Richtung bei mir zu rascher Überreizung führen. Ist aber (noch) kein Grund, mit Harfe spielen aufzuhören. Ich muss halt die Spieltechnik anpassen und bin da, wie erwähnt, auch immer noch dran. Hab ja erst vor knapp einem Jahr mit Harfe spielen begonnen und musste immer mal wieder länger pausieren. Darum bin ich da immer noch in diesem Prozess drin und hoffe sehr auf ein erfreuliches Ergebnis - Gewissheit gibt aber noch nicht, so realistisch muss ich leider sein.
Den Tipp, die Harfe in eine Ergotherapie mitzunehmen, kann ich aber jedenfalls sehr unterstützen.

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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von mygga » Do 20. Feb 2020, 17:24

Ghwenhyfar hat geschrieben:
Do 20. Feb 2020, 14:33
Ui... die Buchempfehlungen sind super!
Also: Ich habe mich für eine Harfe von Glissando entschieden, das Modell "Jade".
Zunächst hatte man als kleinere Harfe einen Flyer mit der "Juno" von Salvi mitgeschickt, aber soweit ich es beurteilen konnte, kam mir die Jade klanglich deutlich mehr entgegen und ich hab dann direkt nach ihr gefragt. Sie scheint einen wärmeren Klang zu haben als die Salvi-Harfe. Wenn ich aufgrund der Größe schon Abbstriche machen muß, weil tiefere Oktaven numal nicht dabei sind, wollte ich ein wärmeres Klangbild...
Ich hab gedacht, die kleinere Harfe wird mir die anfangs sicherlich eher unsichere Handhabung/Händelung erleichtern, sowohl von der Größe, als auch vom Gewicht her...
Bevor du kaufst, spiel unbedingt Probe. Ich weiß nicht genau, wie es bei der "Jade" ist, aber ich meine, die Kerschner-Harfen hätten eine relativ hohe Saitenspannung, das könnte anstrengend werden.
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von bastian » Do 20. Feb 2020, 18:25

Ich habe auch gerade gedacht, zum Glück schrieb sie Leihharfe.

Also andersherum: wenn Du feststellst, das Spielen ist zu anstrengend, gib nicht gleich ganz auf. Es gibt eine Reihe Harfen mit niedrigerer Spannung.

Frag noch mal hier nach, wir geben dir dann Tipps, welche Harfen in Frage kommen könnten.

Grüße,
Sebastian
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Re: Harfe mit Handicap

Beitrag von Ghwenhyfar » Do 20. Feb 2020, 19:24

Natürlich erstmal ne Leihharfe, Harfen sind ja nu kein Schnäppchen...
Ich werde sehen, ob und wie ich klar komme, daß größere Problem ist die gezielte Bewegung einzelner Finger der linken Hand...
Hatte hatte vorweg wohl testweise bei der Anfrage anklingen lassen, ich hätte gehört man könne auch dünnere Saiten aufziehen lassen, aber mir ist auch klar, daß die mir da für ein Leihinstrument nicht mal eben nen komplett neuen Satz anderer Saiten aufziehen...
Wie ich anfangs schon sagte, käme für mich auch die Option nur mit der gesunden Hand zu spielen auch in Frage, alles was dann mit links dazu kommen würde wäre ein "Goodie"...
Erstmal Harfe bekommen und ausprobieren. Vom Kauf einer Harfe bin ich noch etliche Monate und Erfahrungen zu weit entfernt... ;-)

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