Harfenkurs in Northeim

Josef

Beitrag von Josef »

und ich wundere mich die ganze Zeit, wie man dieses seltsame offenbar österreichische Wort ausspricht. So wie Madln, bloß mit o?

Muß ständig an Götzen denken, weil modla auf tschechisch nämlich Götze bedeutet. Übrigens kommt vom gleichen Wortstamm auch modlit se = beten. (Wenn die Christen wüßten, daß sie, etymologisch gesehen, bei ihrer Beterei Götzendienst verrichten...)

Josef
Zuletzt geändert von Josef am So 14. Sep 2008, 00:53, insgesamt 1-mal geändert.
sabhaircin
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Beitrag von sabhaircin »

Im Schwabenländle und angrenzenden Regionen (vielleicht ja auch noch anderswo) gibt es ein kostbares Backwerk mit dem netten Namen "Springerle" - diese werden in Modeln gebacken (wo sie während des Backens herausspringen), ebenso wie Spekulatius usw. In dem Fall ist das Model halt ´ne Form, engl. heisst die Gussform, glaube ich, mould(?)
Die Springerle haben zwar meist ziemlich komplizierte Formen, aber als solche erkennbare Götzenbilder sind mir bisher noch nicht untergekommen... Jetzt müsste man noch herausfinden, wie Springerle-Form auf Tschechisch heisst. Oder vielleicht bedeutet bábovka auch Akkordbegleitung?

Zuletzt geändert von sabhaircin am Di 29. Jul 2008, 00:43, insgesamt 1-mal geändert.
Josef

Beitrag von Josef »

nein, Akkordbegleitung bedeutet bábovka nicht... Hingegen hat es, außer der Gugelhupf-Bedeutung, auch eine Nebenbedeutung von Weichei, Schlappschwanz. (Auf tornedalfinnisch würde man "knapsu" sagen.)

Zurück zum Thema Modeln: Laut Wikipedia gibt es in Schlesien zwei Dörfer, die Modla heißen. Ob die beim Benennen ihres Dorfes jetzt Akkordbegleitungen, Götzen oder Backwerke im Sinne hatten??

Die rekonstruierte indo-europäische Wurzel: *moldh = beten.

Tschechisch modla = Götze, verwandt mit altpreußisch maddla und lettisch malda° = Gebet, ist vermutlich auch verwandt mit dem deutschen "melden". Typisch. Irgendwo in Schlesien steht ne Götze herum und die Deutschen müssen das gleich denunziieren.
Gast

Beitrag von Gast »

Josef:
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" Gott fügt hinzu", biblischer männlicher Vorname, Bedeutung: Gott vermehre
Josef ( Ziehvater Jesu Christi)
Gast

Beitrag von Gast »

Josef hat geschrieben:nein, Akkordbegleitung bedeutet bábovka nicht... Hingegen hat es, außer der Gugelhupf-Bedeutung, auch eine Nebenbedeutung von Weichei, Schlappschwanz. (Auf tornedalfinnisch würde man "knapsu" sagen.)
Zwei so schöne Schimpfnamen auf einmal, vielen Dank... Schade, dass man das so selten anwenden kann...
Josef hat geschrieben:Zurück zum Thema Modeln: Laut Wikipedia gibt es in Schlesien zwei Dörfer, die Modla heißen. Ob die beim Benennen ihres Dorfes jetzt Akkordbegleitungen, Götzen oder Backwerke im Sinne hatten??
Es gibt auch ein tschechisches Flüsslein, nämlich die Modla, dt. Model oder Morellenbach - ha, das eröffnet ganz neue etymologische Möglichkeiten. Schlesier wie Tschechen dachten wohl an französiche Sauerkirschen. Auf Notenpapier niedergeschrieben, ähneln Begleitmodeln (sofern in Dunkelrot gemalt) diesen sicher sehr.
Von modla nach Morelle kommt man nicht mit Etymologie, sondern höchstens Etylmoloalkohol, weswegen verzweifelte Versuche, das zu melden (z. B. per Gebet im Falle der Letten), nicht geringgeschätzt werden sollten, wenn man die Verwirrung betrachtet, die aus diesem Irrtum entstanden ist.
sabhaircin
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Beitrag von sabhaircin »

`Tschuldigung, der letzte Eintrag war von mir.
Die Schwüle bekommt mir nicht.
Svenja Knapsu.
Josef

Beitrag von Josef »

sabhaircin hat geschrieben:Die Schwüle bekommt mir nicht.
Svenja Knapsu.
Als knapsu dürftest Du Dich - in der tornedalfinnischen Bedeutung des Wortes - eher bezeichnen, wenn Dir Kälte von -30°C nicht bekommt, und Du außerdem weibisch genug bist, um nicht holzhacken, eisfischen oder Elche schießen zu können.
Desweiteren bezeichnet man als knapsu auch alle Beschäftigungen, die nach der Auffassung der Tornedalbewohner "unmännlich" sind, also z.B. auch das Harfespielen oder Bücherlesen. (Trotzdem gibt es im Tornedalen eine Bänd mit Harfenspieler, der dann zwar per definitionem knapsu ist, aber trotzdem saugeile Mugge macht: http://www.fmg-jord.com/index1.htm )

Die ethylalkoholische und maltechnische Deutung des Zusammenhanges zwischen Modeln und Morellen ist einleuchtend. Erwähnenswert wäre diesbezüglich auch das tschechische Dorf Mrsklesy, an dem der Lauf der Modla im Osten vorbeiführt. Hergeleitet vom Verb mrskat = schmettern und lesy = Wälder, sind hier vermutlich mal im Wald unter Ethylalkoholeinfluß Morellen gegen Götzen geschmettert worden, anstatt diese anzubeten (eventuell unter gleichzeitigen Begleitungsmodeln auf der böhmischen Harfe), und insofern wäre es verständlich, daß dieser Frevel gemeldet werden mußte.

Die ethylalkoholische Deutung erklärt auch den Namen des ebenfalls an der Modla befindlichen Dorfes Úpohlavy (=Jammerköpfe).

Quellen:
knapsu --> Mikael Niemi: Populärmusik från Vittula, Norstedt 2000. ISBN 91-1-300773-4
Modla --> http://de.wikipedia.org/wiki/Modla
Zuletzt geändert von Josef am Di 29. Jul 2008, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.
Jonny Robels
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Beitrag von Jonny Robels »

Kann es nicht einfach sein, daß da jemand Backwerk als Opfergabe zur Harfenmusik darbietet, um die drohende Verknapsung des Alkohol abzuwenden, weil er nicht so enden will wie die armen Finnen, denen die Kirschen ausgegangen sind, wie es vermeldet wurde? :_tongue_: :_tongue_: :_tongue_:
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