Chinesische Halbtonklappen

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Der Juergen
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Chinesische Halbtonklappen

Beitrag von Der Juergen »

Liebe Leute,

seit ein paar Tagen habe ich eine recht interessante "Neuigkeit" bei mir liegen.
Es handelt sich um Halbtonklappen, die in China gefertigt werden.

Bekommen habe ich sie von Cheng HongYu, die ich auf dem diesjährigen Sommermusikfest (wieder)getroffen habe.
Diejenigen, die schon auf dem Mosenberg zum Harfentreffen kamen, kennen sie als GuQin-Spielerin und Tochter von Cheng Gongliang.
(Hier eine Aufzeichnung mit HongYu vom KlangWelten Festival 2007)

HongYu hat in ihrer Heimat angeregt, dass dort "keltische" Harfen gebaut werden, die sich auch der Durchschnittsverdiener in China leisten können soll.
Sie wurde diesbezüglich oft von chinesischen Interessenten angesprochen, die sich nur sehr schlecht importierte westliche Harfen kaufen könnten.
Es gibt dort auch eine Firma, die eine einfache, meines Erachtens aber ganz gut durchdachte, Klappe in drei Größen herstellt.

Ich bat HongYu mir diese Klappen mal zu schicken, was sie auch umgehend getan hat.

Die Klappen bestehen aus dem "Sockel", dem Hebel, einer Senkschraube mit metrischem Gewinde M3 (Innensechskant: 2 mm),
einer 90°-Kunststoff-Konushülse, einer Kunststoff-Scheibe und einer Mutter (M3/Außensechskant: 5,5 mm).

Das für die Kunststoffteile verwendete Material ist nach Angabe der Herstellerfirma (lt. HongYu) POM (Polyoxymethylen).

Die Sockel haben alle einen mit Kunststoff-Umfassung gedämpften Anschlag für die Hebel.
Der Hebel weist hierfür auf der innen (verdeckt) liegenden Seite einen ausgesparten Sektor auf.
Die Saiten werden von einem Röllchen aus schwarzem Kunststoff abgedrückt, sind somit keiner großen Reibung ausgesetzt.

Möglicherweise könnte es bei Harfen mit hoher Saitenspannung zu einem Problem dadurch führen, dass der abdrückende Stift mit dem Röllchen nur bis zum "Totpunkt" des Kreises bewegt wird (siehe vorletztes Bild). Das müsste noch mal in der Praxis überprüft werden.
EDIT: Zu diesem Punkt gibt es neue Informationen weiter unten im Thread.

Der Sockel hat bereits ein Innengewinde für die Schraube, die auf der anderen Seite befindliche Mutter kontert die Schraube zur Sicherung.

Eine meines Erachtens gute Eigenschaft weist die dem Harfenhals zugewandte Fläche (der Flansch) auf: sie ist in Bewegungsrichtung für die Justage mit Rillen geprägt. So verdreht sich die Klappe auch bei der Montage mit nur einer Schraube nicht so leicht. Die größte der drei Klappen hat allerdings zwei Langlöcher, sodass sie sinnvollerweise auch mit zwei Schrauben zu montieren ist.

Leider habe ich keine Original-Montageschrauben um festzustellen, ob die Breite der Langlöcher mit ca. 3,85 mm sinnvoll ist.

Sehr günstig liegt übrigens die Senkschraube, sie lässt sich mit einem Standard-Inbusschlüssel mit gekürztem Schenkel problemlos erreichen, wenn die Klappe montiert ist.
Die Friktion lässt sich so recht feinfühlig einstellen.
Wie lange der Kunststoff der Reibung standhält, vermag ich nicht zu sagen, HongYu meinte, dass diese Klappen bereits seit 2 Jahren an den Harfen der chinesischen Marke "Breton" verwendet werden und dort noch zu keinen Problemen geführt hätten.
EDIT: HongYu informierte mich gerade, dass es sich bei der Marke "Breton" um eine US-Firma handelt, die seit ein paar Jahren in China fertigen lässt (ca. 100/Monat) und diese nur für den Export auf den amerikanischen, japanischen und koreanischen Markt produziert werden. Die Harfen werden regelmäßig mit diesen Klappen bestückt.

In Deutschland gibt es die Klappen (noch?) nicht, falls sich jemand dafür interessieren sollte, kann er mich anmailen, ich würde in diesem Fall, HongYus Bitte entsprechend, die Kontaktdaten zu ihr mitteilen.

Mehr als ich hier geschrieben habe, weiß ich nicht, kann also auch keine weiteren Angaben dazu machen.

Hier einige Fotos zu den Klappen (die konische Hülse befindet sich nicht an der "richtigen" Stelle der demontierten Klappe).

Soweit die News.




Alle Detailfotos: Jürgen Steiner
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Foto: Cheng HongYu
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Zuletzt geändert von Der Juergen am Do 6. Sep 2012, 09:52, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Chinesische Halbtonklappen

Beitrag von Ladev »

Hallo Juergen
ich denke, dass die Mechaniken wohl nie oder nur
kurz auf dem deutschen Markt auftauchen werden, da
es hier ein Patentrecht gibt und die gängisten mechaniken
dadurch geschützt sind. :_embarassed_:
Ansonsten hätten die Pakistanis wohl auch schon
bessere mechaniken.
Gruß
Detlev

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Der Juergen
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Re: Chinesische Halbtonklappen

Beitrag von Der Juergen »

Hallo Detlev,

ob es hierzulande patentrechtliche Schwierigkeiten geben würde, kann ich natürlich nicht sagen, da mag es durchaus die Vorstellung geben, dass ein einfacher Hebel eine schützensfähige technische Vorrichtung ist.

Jedenfalls werden "seit Jahren" (wie HongYu mir gerade schrieb) ca. 100 Harfen pro Monat von einer US-Firma (!) unter dem Markennamen "Breton" von China nach Amerika, Japan und Korea exportiert, die mit diesen Klappen ausgestattet sind.
(Siehe auch meinen EDIT im Eingangsbeitrag!)

Da scheint es noch keine (erfolgreichen) Patentklagen gegeben zu haben.

Liebe Grüße
Jürgen
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Re: Chinesische Halbtonklappen

Beitrag von Der Juergen »

Auch auf das in meinem Eröffnungsbeitrag erwähnte Thema "Totpunkt" hat HongYu geantwortet, sie schreibt, dass (wie oben editiert) diese Klappen seit Jahren in China, den USA, Japan und Korea Verwendung finden, auch spielen ihre Schüler seit zwei Jahren Harfen, die mit diesen Klappen bestückt sind.
Dort seien damit keine Probleme aufgetreten.

Zur Veranschaulichung schickte sie gestern noch weitere Bilder und bittet die Fingerabdrücke zu entschuldigen.
Die Klappen seien "natürlich glänzend Chrom". Ich sag mal, die Harfe wird eben gespielt und steht in keiner Vitrine … :_wink_:



Die kleine Klappe (Foto: Cheng HongYu):

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Die mittlere Klappe (Foto: Cheng HongYu):

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Die große Klappe an kunststoffumwickelter Saite (Foto: Cheng HongYu):

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Die große Klappe an metallumwickelter Saite (Foto: Cheng HongYu):

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Re: Chinesische Halbtonklappen

Beitrag von Der Juergen »

Da ich in unregelmäßigen Abständen immer mal Fragen zum Preis oder der Bezugsquelle der hier (im fast siebeneinhalb Jahre alten Thread) von mir gezeigten Klappen bekomme (heute gerade wieder einmal unterzeichnet mit dem Forennamen), möchte ich darauf hinweisen,

dass ich diese Klappen weder vertreibe, noch weiß, wer sie wo in China genau verkaufen könnte.

Anfragen könnte man bei Salvi, die diese Mechaniken an ihren in China gefertigten Manualharfen verbauen.
Ob das am Ende hilfreich ist, weiß ich ebenfalls nicht. :_wink_:
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