Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

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Annea
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Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Annea »

Hallo in die Runde,

zuletzt hatte ich Harfenunterricht am Telefon und ich war überrascht, wie gut das funktioniert hat. Nächste Woche soll ich aber wieder in die Musikschule kommen zum Unterricht und es gilt Maskenpflicht, sprich die Harfenlehrerin und ich werden beide eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Das kann ich mir noch gut vorstellen, aber wie sieht es mit dem Desinfizieren des Instruments aus? Beim Unterricht am Telefon habe ich ja nur meine eigene Harfe an die Schulter gelehnt, ab morgen werde ich auf der Musikschul-Harfe spielen, an deren Saiten vor und nach mir viele andere Harfenschüler zupfen. Hat schon jemand Erfahrung mit Unterricht vor Ort in Corona-Zeiten?

Viele Grüße

Annea

Celtik
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Celtik »

Soweit ich weiß, ist es nicht möglich, die Harfen zu desinfizieren. Es ist am besten, wenn alle Schüler vor und nach dem Spielen auf der Harfe ihre Hände waschen.

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Der Juergen
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Der Juergen »

Jakez François (Camac) hat vor einigen Tagen ein Dokument zu diesem häufig angefragten Thema online gestellt.
Ich nehme mal an, dass es sich hierbei um Ratschläge für Camac-Harfen handelt, inwieweit man Teile davon auf andere Hersteller und Materialien übertragen kann, sollte man natürlich überprüfen.

https://blog.camac-harps.com/en/latest/ ... -teachers/
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Susanne Globisch
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Susanne Globisch »

In einer der letzten Podcast-Folgen schätzt Christian Drosten, dass "fast die Hälfte der Übertragungen" über Aerosol geschieht, ebenfalls "fast die Hälfte" über Tröpfchen und ca. 10% über Kontaktinfektion (diese Aussage im Video bei 13:43, das Thema beginnt etwa bei 12:06).

Daher sollte man sich in Musikschulen wahrscheinlich deutlich mehr Gedanken machen über gründliches Lüften. Oder am besten gleich ins Freie gehen, wo immer möglich.

Natürlich Abstand einhalten und Masken tragen wegen der Tröpfcheninfektion.

Aber wenn die (mittlerweile gut durch Studien belegte) Theorie der Aerosolübertragung stimmt, ist das mit der Kontaktübertragung (wenn konsequent auf Handhygiene geachtet wird und die Harfen nach jede*r Schüler*in wenigstens feucht abgerieben werden) in der Musikschule wahrscheinlich das kleinere Problem.

(Es wäre echt schön, wenn auch die anderen großen Harfenhersteller eine ähnliche Handreichung zum Reinigen/ansatzweisen Desinfizieren der Harfe rausgeben würden wie Camac!)

Lg von Susanne

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Der Juergen
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Der Juergen »

Genau, das von Prof. Drosten habe ich auch gehört, zudem hatte ein Team um Prof. Streeck, der vor allem durch die sogenannte »Heinsbergstudie« bekannt geworden ist, bei Untersuchungen in von Sars-CoV-2-Infektionen betroffenen Haushalten, in denen sie nicht nur von den Menschen, sondern auch Katzen, Toiletten und auch Türklinken Proben genommen. Der Aussage Prof. Streecks zufolge konnte von keiner einzigen der Türklinken »überlebensfähiges Virus« angezüchtet werden.

Aber es bringt vermutlich nicht viel, wenn die jeweilige Musikschule die Desinfektion der Instrumente vorschreibt. Falls es dann doch zu einem Infektionsgeschehen kommen sollte, wird niemand hundertprozentig feststellen können, dass es nicht die Harfe war … und die Lehrkraft ist in der Verantwortung.
Zuletzt geändert von Der Juergen am Mo 18. Mai 2020, 17:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Koko P. »

Der Juergen hat geschrieben:
Mo 18. Mai 2020, 12:24
… und die Lehrkraft ist in der Verantwortung.
Meinst du moralisch oder rechtlich? Falls rechtlich: Wer hat das gesagt?
Heute ist ein guter Tag für einen guten Tag!

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Der Juergen
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Der Juergen »

Ich meine das rechtlich.

Beispielsweise mussten in der Musikschule Lauterbach die Lehrkräfte einen Text unterschreiben, dass sie sich an die im Rahmen der eingeschränkten Wiedereröffnung von der Schule erlassenen Bestimmungen halten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine solche Unterschrift im Fall der Fälle nichtig ist.
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Maira »

Müssen Schüler sich unbedingt in der Musikschule anstecken?
Kann das nicht auch in den Öffis oder der Regelschule
oder den Familien/Bekanntenkreis passieren ?
Daß man für Sauberkeit sorgt ist völlig in Ordnung.
Daß man ohne Atemschutz herumläuft nicht.
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.

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Der Juergen
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von Der Juergen »

Maira hat geschrieben:
Mo 18. Mai 2020, 17:45
Müssen Schüler sich unbedingt in der Musikschule anstecken?
Kann das nicht auch in den Öffis oder der Regelschule
oder den Familien/Bekanntenkreis passieren ?
Nein, sie werden nicht dazu gezwungen.
Doch, da kann es auch passieren, aber dort hat die Musikschulleitung keine Weisungsbefugnis.

Hier ein Artikel aus dem Spiegel zu einer Studie zu Aerosol-Viruswolken:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/med ... 603552ed06
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merit
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Re: Harfenunterricht in der Musikschule in Corona-Zeiten

Beitrag von merit »

Interessantes Thema -für mich nicht nur in Bezug auf Covid-19-Infektionen, sondern in der Infektsaison generell. Für mich bisher ohne befriedigende Lösungsmöglichkeiten.

Bei mir läuft langsam der Präsenzunterricht wieder an. Ich werde meine Schüler bzw. deren Eltern unterschreiben lassen, daß sie, wenn sie von skype-Unterricht wieder auf Präsenzunterricht umsteigen möchten, zur Kenntnis nehmen, das alle auf ein und derselben, nicht desinfizier- oder reinigbaren Harfe spielen. Alternativ können sie mit eigener Harfe kommen (was nur sehr sehr wenige machen).

Liebe Susanne, wie funktioniert das für Dich mit dem feucht abwischen der Harfe nach jedem Schüler? Ich kann meine Schülerharfe nicht feucht abwischen, schon gar nicht bis zu 6 mal täglich. Dann ist sie nämlich ziemlich schnell hin - und desinfiziert ist sie davon trotzdem nicht.

Generell habe ich aus Selbstschutz jahrelange Erziehungsarbeit gebraucht - die ich keineswegs als meine Aufgabe ansehe-, um Schüler dazu zu bringen, sich nach dem Betreten der Unterrichtsräume erstmal mehr oder weniger gründlich die Hände zu waschen. Es ist mir immer sehr unangenehm, Schüler darum zu bitten. Bei einigen hat es Jahre gedauert, bis sie es von allein taten.

Aber ich habe nicht besonders viel Spaß an Noro- oder Influenzaviren, Rhinoviren oder eben Coronaviren - auch nicht an den weniger berühmten Sorten, die jedes Jahr unterwegs sind. Mal gucken, wie schnell die Aufforderung zum Händewaschen nach Ende der "Corona-Awareness" wieder nötig wird.

Herzliche Grüße, neugierig, Merit Zloch

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