Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

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Katty
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Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Katty »

Hallo,

ich habe in den letzten 2-3 Jahren leider nicht regelmäßig gespielt, erst seit dem Sommer zieht es mich wieder intensiver an meine Harfe. Leider stellt sich beim Üben zunehmend Frust ein, da es mir einfach nicht gelingt, meine Saiten sauber und ohne oder mit möglichst wenig Nebengeräuschen abzuspielen.

Mein Hauptproblem ist, dass ich mit den Fingernägeln ständig die Nachbarsaiten berühre, vor allem wenn diese gerade gezupft wurden und noch schwingen. Ganz schlimm mit der linken Hand bei den tieferen Saiten. Wenn ich z.B. nacheinander mit der Begleithand die Akkorde A - H - C spiele, klappt das einfach nicht ohne Schnarren, weil ich beim Spielen der oberen Saite an die noch schwingende untere Saite gerate. Klingt nicht schön. :_angry_:

Ähnliches Problem habe ich, wenn ich eine Saite spielen möchte, die noch schwingt. Auch da gibts immer ein schnarrendes Geräusch, das erst mal die Schwingung dämpft, bevor der Finger die Saite erneut zupft. Im Harfenunterricht, den ich anfangs genommen hatte, erklärte mir meine Lehrerin, ich solle beherzt an die Saite greifen. Aber wenn ich das tu, greife ich wieder unkontrolliert daneben oder berühre Nachbarsaiten.

Das Problem ist allerdings schlimmer geworden, finde ich. Ich denke, es hängt damit zusammen, dass ich als Anfängerin eine Saphir von Glissando gespielt hatte, parallel dazu zeitweise eine geliehene Konzertharfe. Beide mit recht hoher Saitenspannung und wahrscheinlich auch höherem Saitenabstand. Meine Harfenlehrerin meinte, für mich sei eine höhere Saitenspannung besser, da ich einen eher kräftigen Anschlag habe.

Später habe ich daran allerdings nicht mehr gedacht und mir eine Bluebell gekauft, weil ich deren Klang einfach liebe und weil sie kleiner und leichter und somit auch transportabel ist für mich. Sie hat aber eine spürbar niedrigere Saitenspannung, d.h. deren Saiten haben wahrscheinlich auch einen stärkeren Ausschlag? Vielleicht liegt es daran?
Kann es auch mit der Länge der Finger zusammenhängen?
Leider kann ich nicht mehr vergleichen, da ich die Saphir vor 2 Jahren verkauft habe. Vielleicht war es ein Fehler?

Oder gibt es TIpps und Übungen, wie ich ein sauberes Spielen lernen kann? Ich habe mir schon ein Übungsheft von Deborah Friou besorgt und übe Läufe mit links und rechts, mal klappt es, mal nicht, und im Zusammenspiel beider Hände eher nicht. Ich denke ernsthaft über eine Harfe mit höherer Saitenspannung nach, aber vielleicht liegts ja gar nicht daran?

Freu mich über Rückmeldungen, vielen Dank!
Lieber Gruß
Katty
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sanne
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von sanne »

Liebe Katty,
ich kenne das Problem und denke, dass jeder früher oder später damit zu tun hat.

Die Saitenspannung und Saitenabstände spielen dabei schon eine große Rolle, aber mit entsprechender Übung und Geduld kannst du auf jeder Harfe lernen, mehr oder weniger geräuscharm zu spielen.
Deine Lehrerin hat recht - "beherztes" Einsetzen der Finger ist wichtig, um das Schnarren durch die erste Berührung zu verkürzen.
In Zeitlupe kann man üben den Moment des Einstzens spät und sehr pünktlich zu machen (natürlich nicht das Einsetzen selbst in Zeitlupe).
Es braucht sehr viele Wiederholungen mit genauer Aufmerksamkeit, dann wird es allmählich gelingen.
Das Geräusch durch die Rückseite der Fingernägel an der Nachbarsaite kann vermindert werden, wenn du die Finger nicht zu weit zwischen die Saiten schiebst. Bei geringen Saitenabständen kann man nur mit den Fingerspitzen spielen und weniger die ganze Kuppe nutzen.

Ich übe manchmal gegen Nebengräusche extra auf einer kleinen Harfe mit geringer Spannung (was schwieriger ist). Danach fällt es mir auf der großen umso leichter, sauber zu spielen.
Ich hoffe, dir geholfen zu haben. Zweifle nicht zu schnell an deiner Harfe - du kannst an jeder deine Technik verbessern! :_smile_:
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Mary Greenleaf
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Mary Greenleaf »

Hallo Katty,

bei mir kommt das Problem jedes mal wieder, wenn ich unterwegs bin und dann auf der kleinen Kairos spielen möchte. Da ist auch die Spannung viel geringer und der Saitenabstand kleiner als bei der Saphir und ich bin jedesmal am schwimmen und schnarren :_smile_: Meine Lehrerin meinte, dass das daran liegt, dass ich zu unsicher bin und nicht weiß wo die Saiten sind.
Bei mir hat es geholfen einfach "Trockenübungen" zu machen. Also Griffe und Griffmuster üben ohne abzuspielen. Erst 5 Minuten lockeres Einsetzen von Akkorden und dann einsetzen und drücken, aber noch nicht abspielen. Dann spiele ich Tonleitern und Läufe rauf und runter mit einer und dann mit beiden Händen und dann die Akkorde nochmal, diesmal mit Ton. Das ist dann so ungefähr ne 1/4 Stunde oder "manchmal" auch nur 10 Minuten und danach geht das meiste mit ganz wenig schnarren.

Klar ist es viel schöner einfach loszuspielen, weil man ja den Klang haben will und das Gefühl frei spielen zu können, aber mir hilfts, vielleicht Dir auch.

Liebe Grüße,
Mary
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Katty
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Katty »

Vielen herzlichen Dank für eure Tipps, sie haben mich dann doch ein wenig aufgebaut. Auch da ich offensichtlich nicht allein bin mit diesem Problem.

Sanne, muss jetzt aber doch noch mal fragen: wie genau meinst du das mit der Zeitlupe? Was genau sollte ich in Zeitlupe üben?

Mary, die Trockenübungen habe ich mal probiert, das ist gar nicht so einfach. Aber wenn ich das Tempo rausnehme und die Hände einzeln übe, dann klappt es natürch besser mit kaum Schnarren. Also weiter üben, üben.... Vielleicht hilft es auch, mal bewusst leiser und zarter zu spielen, um mich an die niedrigere Saitenspannung zu gewöhnen?

Liebe Grüße
Katty
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Tinka Bell »

Ich glaube, dass man sich an vieles gewöhnen kann. Aber vieles muss eben...... anatomisch passen, damit es dauerhaft auch Spaß macht. Zudem ist es immer krass, wenn man Konzertharfe gespielt hat und das richtig (also Finger richtig in die Saiten und mit Schmackes :_tongue_: ) und dann auf das Greifen in die Saiten einer "normalen" Hakenharfe zurück geht. Zum Verständnis würde ich gerne wissen, wie groß du bist oder wie groß deine Hände? Vielleicht kommst du dauerhaft einfach besser mit größeren Saitenabständen klar, ohne dass es ständig schnarrt. Warum also schwer, wenn es auch einfacher ginge? Das könnte aber auch den Wechsel der Harfe/-en bedeuten. Das heißt es also auszuprobieren. Letztendlich ist es ja schön, wenn man es irgendwie hinkriegt. Aber für mich sollte es in erster Linie ja auch Spaß machen.
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Katty
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Katty »

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(mag ich immer noch sehr gerne spielen)
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(allerdings hab ich sie in C-Dur gestimmt)

Dann ist da noch Fröschlein, eine kleine,recht alte Harfe, hab ich mit Unterstützung von Karsten "renoviert" und nochmal zum Klingen gebracht

Aber wie ich mich kenne ist das noch nicht das Ende der
(Harfen) Geschichte
Oder doch?

.
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von Vera »

Ich glaube die Bluebell wurde ab 2017 mit etwas höherer Saitenspannung gebaut.
Vermutlich bist du nicht die einzige, der die Spannung zu gering war/ist.
Ich persönlich mag niedrige Spannung lieber als zu hohe.
Es schnarrt bei mir auch öfter mal, daß hört sich zwar nicht so schön an, aber schlimm finde ich es auch nicht.
Das mit dem "beherzten Zugreifen" wie deine Lehrerin es formuliert, macht es tatsächlich etwas besser.
Wenn es mir gelingt ""zügig" also nicht zu zaghaft und gleichzeitig "treffsicher" mit dem Finger auf der Saite zu landen, schnurrt nix.
Aber damit das immer, oder zumindest fast immer gelingt, da muss ich noch ne gute Weile üben.
Ganz perfekt wird es wohl nie.
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sanne
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von sanne »

Katty hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 21:22
Sanne, muss jetzt aber doch noch mal fragen: wie genau meinst du das mit der Zeitlupe? Was genau sollte ich in Zeitlupe üben?
Schwere Stellen spielt man oft unbewusst. Wenn die Finger sich dann mal ganz langsam bewegen und man den ganzen Bewegungsablauf bewusst wahrnimmt, wird auch mehr im Gehirn gespeichert. Dadurch lernst du Entfernungen besser kennen und gehst bewusster mit Sprüngen um.
Es hilft auch, Sprünge solange zu üben bis sie mit geschlossenen Augen gehen.

Marys Trockenübungen sind aber auch ein Super-Tipp - dadurch wirst du auf jeden Fall treffsicherer.
Einsetzen ist ja bei den Nebengeräuschen das Hauptproblem. Also sich ruhig mal darauf konzentrieren ohne abzuspielen.

Natürlich ist es immer schön, wenn du auf der zu deinen Händen und deiner beliebtesten Greifart passenden Harfe spielen kannst.
Aber oft will/muss man halt auch mal wechseln. Dann ist es gut, wenn du dich umstellen kannst. :_smile_:
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Re: Nebengeräusche durch unsauberes Spielen/Greifen

Beitrag von teacue »

@Katty
Als Anfänger und Autodidakt helfen mir bei diese besondere Schwierigkeit die Ratschläge von Josh Layne in "Avoiding buzzing and surface noise on the harp": https://www.youtube.com/watch?v=2Zgkny6biGs

Zusätzlich zu den "beherzt" greifen fügt er hinzu die Saiten "von oben" anzugehen.
Vielleicht hilft dir das auch.
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