Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Du hast etwas schönes, ärgerliches, spannendes, trauriges mit deiner Harfe erlebt? Erzähl uns davon.
Astralis
ganz schön fleißig
Beiträge: 51
Registriert: Di 8. Jan 2019, 21:41
Land: Schweiz
Meine Harfe(n): Camac DHC 36 (gemietet)
Wohnort: Zürich

Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Astralis » Mi 3. Jul 2019, 01:01

Liebe Harfengemeinde

Mal ein etwas weniger erfreuliches Thema... Welche körperlichen Beschwerden durch das Harfespielen hattet ihr schon oder sind euch bekannt ?

Ich hab ja vor ca 3.5 Monaten mit Harfe spielen begonnen (wöchentlicher Unterricht). Als Lernmittel verwende ich die Harfenschule von Uschi Laar und dort spielt man ja anfangs nur mit einem Finger, kommt aber schon nach kurzer Zeit zum Spiel mit zwei Fingern. Also seit ca 3 Monaten spiele ich unter anderem mit dem Daumen.
Und genau dieser an der linken Hand tut nun seit etwa 2 Wochen weh. Bei manchen Dingen im Alltag verspüre ich null Schmerzen, bei anderen Tätigkeiten hingegen schon. Das Harfenspiel an sich bereitet aktuell keine Schmerzen. Dennoch bin ich zurückhaltend damit, dies als Ursache auszuschliessen.
Heute war ich bei der Hausärztin und sie konnte auch (noch) keine klare Ursache benennen. Auch ob es ich um ein Problem im Gelenk oder bei den Bändern handelt, liess sich (noch) nicht eindeutig feststellen. Jedenfalls bekomme ich morgen so eine Daumengelenkschiene und muss die ganze Hand die nächsten Tage schonen. Üben kann ich somit nur mit der rechten Hand, was vorerst noch kein Drama ist.
Aber die Situation verunsichert halt. Harfe spielen bereitet mir grosse Freude - wie noch kaum ein anderes Hobby zuvor - und es wäre äusserst schade, wenn ich dies aus medizinischen Gründen nicht weiterführen könnte. (Allenfalls wäre eine Harfe mit möglichst weicher Saitenspannung vorzuziehen, womit ich aber gut leben könnte. Scheint nur grad etwas schwierig zu sein, sich da einen Überblick über das Angebot zu verschaffen.)

Benutzeravatar
Tinka Bell
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1113
Registriert: Mi 28. Sep 2016, 13:12
Postleitzahl: 33014
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Meine Harfen sind klangliche Herz-Hüpferchen - für mich. Und ich befinde mich ständig auf einer Klangreise. Alles andere wäre zu kompliziert ;-)

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Tinka Bell » Mi 3. Jul 2019, 07:30

Liebe Astralis, genau so ging es mir vor einiger Zeit.
Ich hatte mir seinerzeit eine Hakenharfe mit Pedalharfenspannung gekauft, da ich den Klang so liebte. Nach einiger, relativ kurzer Zeit begannen die Probleme. Nicht beim Spielen selbst, aber vor allem nachts zog es heftig im rechten Arm und legte sich nicht. Ich habe daraufhin das Spielen reduziert bzw. gewisse Griffe eher gemieden und andere Dinge. Letztendlich aber habe ich die Harfe verkauft.
Mittlerweile spiele ich eine DPH und habe keinerlei Probleme mehr in der Hinsicht. Ich denke, dass die ungewohnte Bewegung + Saitenspannung dazu geführt haben und ich einfach noch zu untrainiert dafür war. Man darf die Kraft nicht unterschätzen, mit der man zupfen muss. Und grade als Anfänger sind das alles ganz ungewohnte Bewegungen für die Hände. Oftmals tritt das auf, wenn man ungewohnte Griffe länger übt.
Ich habe mittlerweile nur noch Angst um meinen Nacken, da ich das ab und an spüre, wenn ich länger an der DPH sitze.
Wichtig: immer Pausen einlegen, Dehnungsübungen, Hände ausschütteln....
Hier im Forum stehen einige Dinge in der Hinsicht. Vielleicht liest du dich da mal ein. Da stehen auch Tipps.
Eine Harfe mit weicherer Spannung wäre natürlich von Vorteil. Wenn du die Hand nun erst mal schonst und - nach Ende der Beschwerden - ganz dosiert einsetzt, könnte es auch funktionieren. Meine Manjula (Sievert oder Buxe Kleiner) hatte eine recht geringe Saitenspannung beispielsweise. Da gibt es aber noch einige andere.
"Musik beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit der Stille davor"

Benutzeravatar
Maira
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 4187
Registriert: So 6. Jan 2013, 17:59
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Maira Bausatz von Klaus Regelsberger, Schwabach
Hobbit von Klaus & Annika Regelsberger, Schwabach
Fischer 80 von Thomas Fischer, Traunstein

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Maira » Mi 3. Jul 2019, 12:10

Die weicheste Spannung die ich bislang in den Fingern hatte:
Der historische Nachbau von Jonathan Dentler.
Da muss man sich erst dran gewöhnen, dann aber klingt sie toll.
Wenn Du nachfragen willst, frag nach Prinzessin Sophie,
so wird sie inoffiziell genannt.
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.

Dorothee
ganz schön fleißig
Beiträge: 98
Registriert: Mo 27. Nov 2017, 21:21
Postleitzahl: 21423
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Eine große von der Klangwerkstatt und die Kleeland von Gosewinkel und eine athanasos von KlangSchiff

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Dorothee » Do 4. Jul 2019, 22:26

Ich habe seit Dezember (!) Probleme mit dem rechten Daumen! Vermutlich ausgelöst durch begeistertes Spielen einer neuen Harfe mit weiterem SaitenAbstand, höherer Spannung und anderer Haltung als bisher gewohnt.
Es ist mal besser und mal schlechter. Nach einer spritze ist gerade halbwegs Ruhe aber so richtig auch nicht :_embarassed_:

Benutzeravatar
Maira
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 4187
Registriert: So 6. Jan 2013, 17:59
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Maira Bausatz von Klaus Regelsberger, Schwabach
Hobbit von Klaus & Annika Regelsberger, Schwabach
Fischer 80 von Thomas Fischer, Traunstein

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Maira » Fr 5. Jul 2019, 00:57

Vielleicht dosierter üben?
Das fällt nicht unbedingt leicht:
10-15 min.üben, dann was anderes machen,
nach einiger Zeit wieder 10-15 min, usw.....
Frag aber lieber nochmal bei den behandelnden Ärzten nach.
Wenn die absolute Ruhe verordnen, dann höre auf sie.
Mach doch , was Du willst. Ich mach auch , was ich will.
Aber ich mach das wirklich.

Astralis
ganz schön fleißig
Beiträge: 51
Registriert: Di 8. Jan 2019, 21:41
Land: Schweiz
Meine Harfe(n): Camac DHC 36 (gemietet)
Wohnort: Zürich

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Astralis » Mo 15. Jul 2019, 19:37

Danke für eure Rückmeldungen. Es geht mir jetzt weniger um meinen eigenen Fall, sondern wirklich allgemein um das Thema. Einer meiner Hausärzte erzählte mir, dass gewisse Instrumente einfach prädestiniert sind für gewisse Beschwerden. Es gäbe so typische Violinen-Probleme - so wie man zum Beispiel aus dem Sport auch den Tennisellenbogen kennt. Das ist halt von Instrument zu Instrument unterschiedlich. Und es hat mich interessiert, wo hier bei der Harfe so die kritischen Punkte sein könnten.

Dennoch noch kurz zu mir. Leider hat sich die Situation verschlechtert. Unterdessen habe ich Schmerzen in beiden Händen (so ziemlich in allen Gelenken). Der Hausarzt konnte mir nicht weiterhelfen und hat mich aufgrund der Symptome an einen Rheumatologen verwiesen, wo ich nächste Woche einen Termin habe. Ich ziehe auch die Möglichkeit in Betracht, ein angeborenes Problem mit dem Bindegewebe zu haben. Wie sehr das Harfespielen damit zu tun hat, lässt sich nach wie vor nicht klar sagen (mir tun auch Finger weh, die ich bisher nicht beim Spielen verwendet habe).
Meine gemietete Salvi Mia habe ich unterdessen zurückgebracht und gegen eine Camac DHC 36 getauscht. Zwar wollte ich mir ja mittel- bis langfristig sowieso eine E-Harfe anschaffen. Dass ich jetzt aber neu die DHC gemietet habe, liegt aber in erster Linie daran, dass diese eine niedrigere Saitenspannung hat. Obwohl ich seit zwei Wochen nicht mehr Harfe gespielt habe, habe ich diesen Tausch einfach in der Hoffnung gemacht, einen ringeren Wiedereinstieg zu haben, wenn dann die Beschwerden nachgelassen haben und ich mich wieder versuchsweise an die Harfe setzen kann.

Was das dosierte Üben anbelangt, da hab ich mich immer dran gehalten. Ich hab nie länger als 15 Minuten am Stück gespielt. Wenn ich mal etwas mehr Zeit hatte, hab ich so zwei bis drei Übungsblöcke à 10 bis 15 Minuten über den Tag verteilt. An manchen Tagen war es aber auch nur ein solcher Übungsblock.
Zuletzt geändert von Astralis am Di 16. Jul 2019, 20:08, insgesamt 1-mal geändert.

mygga
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1355
Registriert: Di 18. Dez 2007, 09:06
Postleitzahl: 44536
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Chromatische Arwen 7x5 von Martin Gust.
Plus zwei Handpans und eine Tongue Drum.

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von mygga » Di 16. Jul 2019, 07:12

Wenn das einmal richtig gereizt ist, kann es lange dauern, bis die Nerven sich wieder beruhigen. Ich weiß, das tröstet nicht. Es ist nur eine mögliche Perspektive. Aber in der Situation habe ich das Wissen zumindest als hilfreich empfunden.
Wo Sprache keine Worte hat, fängt die Musik erst an. (M.W.)

Astralis
ganz schön fleißig
Beiträge: 51
Registriert: Di 8. Jan 2019, 21:41
Land: Schweiz
Meine Harfe(n): Camac DHC 36 (gemietet)
Wohnort: Zürich

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Astralis » Di 16. Jul 2019, 20:12

mygga hat geschrieben:
Di 16. Jul 2019, 07:12
Aber in der Situation habe ich das Wissen zumindest als hilfreich empfunden.
Hattest du demnach mal ein Problem mit überreizten Nerven ? Wie lange hatte das gedauert, bis es wieder in Ordnung war ?

Benutzeravatar
Aoi
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 771
Registriert: Mi 4. Jul 2012, 15:01
Postleitzahl: 61267
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Meine große Lady - Newlyn -
Saphir von Glissando, Ahorn/Mahagoni - Darmsaiten

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von Aoi » Di 16. Jul 2019, 21:35

Ich war gestern auch mal wieder beim Neurologen. Bisher wurde immer nach Messungen selbiger(zuletzt vor ca.4 Jahren)
eine Op nicht in betracht gezogen worden. Gefragt wurde unteranderem auch ob eine Rheumaerkrankung bekannt ist
aber auch nach Schilddrüsenerkrankung Speziell einer Silddrüsenunterfunktion, da diese auch Taubheitsgefühle
herforrufen kann. Also ist der Weg zum Rheumatologen nicht so abwägig und wenn noch nicht getan, ebenso der Weg
zum Neurologe wie auch Endokrinologe. :_wink_:

Bild
Lg
Astrid
War es möglich, dass Musik geheimste Gedanken und Gefühle übertragen konnte, jenseits aller Worte? Vielleicht sogar noch mehr, womöglich konnten wir auf diesem Wege noch weit tiefere Schichten unseres Wesens erreichen als mit unseren Gedanken. Gandalf

mygga
nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1355
Registriert: Di 18. Dez 2007, 09:06
Postleitzahl: 44536
Land: Deutschland
Meine Harfe(n): Chromatische Arwen 7x5 von Martin Gust.
Plus zwei Handpans und eine Tongue Drum.

Re: Körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit Harfenspiel

Beitrag von mygga » Mi 17. Jul 2019, 07:50

Astralis hat geschrieben:
Di 16. Jul 2019, 20:12
[Hattest du demnach mal ein Problem mit überreizten Nerven ? Wie lange hatte das gedauert, bis es wieder in Ordnung war ?
Habe ich ständig, solange ein bestimmter Schmerzlevel über etwas längere Zeit anhält. Gehört zu den PTBS-Symptomen, wobei ich da die etwas härtere Liga bin. Es kann dann tatsächlich 3 Monate dauern, bis das wieder aufhört.

Deshalb nützt es auch nicht unbedingt was, die Zähne zusammenzubeißen und einfach weiterzumachen. Der Körper kann so was wie ein Schmerzgedächtnis entwickeln, und dann schaltet er nach einer Weile bei bestimmten Reizen einfach das dazugehörige Empfinden ein - egal, ob es eine Ursache gibt oder nicht. Tückische Sache. Man muss ihm das langsam wieder abgewöhnen. :/
Wo Sprache keine Worte hat, fängt die Musik erst an. (M.W.)

Antworten