In der Bibliothèque Nationale von Paris ist ein Notenheft von Mozart gefunden worden, 44 Seiten, mit Kompositionsübungen und mit 7 Stücken, die er für seine Schülerin Marie-Louise de Guînes geschrieben hat. Seine Absicht war, sie dabei zu unterstützen, selbst zu komponieren, und so finden sich im ersten Teil des Heftes einige Takte von ihrer Hand. Im Laufe der Zeit werden es aber immer weniger Beiträge von ihr und immer mehr von Mozart. Das Heft und der gesamte Unterricht endete, als die junge Frau heiratete.
Für sie und für ihren Vater hatte Mozart auch schon das bekannte Konzert für Flöte und Harfe geschrieben.
Man wusste, dass es so ein Heft gegeben hatte, Mozart hatte es in seinen Briefen immer wieder erwähnt, auch von den anfänglichen Fortschritten der Schülerin, später wohl etwas frustriert von ihrem nachlassenden Interesse. Aber bisher hatte man dieses Heft für verschollen gehalten. Er hatte es ja nicht veröffentlicht, nicht signiert, und so war es als anonymes Dokument unter vielen anderen Dokumenten unbekannter Autorenschaft in der Bibliothek begraben, bis es vor kurzem gefunden wurde. Natürlich wurde die Handschrift sorgfältig von allen Mozartspezialisten geprüft, die aber alle zu dem Ergebnis kamen, dass es sich wirklich um Mozart und eben das Unterrichtsheft handelt.
Letzten Sonntag sind die Stücke aus dem Heft zum ersten Mal öffentlich in Paris gespielt worden, seit gestern sind sie nun auch öffentlich auf France Musique abrufbar: https://www.radiofrance.fr/francemusiqu ... ammes#live
Wenn Ihr gleich zu den Stücken wollt, scrollt vor bis zu 32:50!
Die Sendung ist lang und ausführlich und erklärt den ganzen Kontext, es lohnt sich, sie zu hören, aber man möchte ja gerne erst einmal "the real thing" erleben...
Sicher wird das Heft auch bald veröffentlicht, hoffentlich als Faksimile, ich bin sehr gespannt, und meine Freundin, die Flötistin, auch - da hätten wir ein tolles neues Projekt (falls mich das nicht gnadenlos überfordert
Ihr merkt, ich freue mich sehr, freut Euch mit,
das wünscht die Ulla!