Halbtonmechanik

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Mit einer Halbtonmechanik kann die schwingende Länge einer Saite verkürzt werden. Da die Frequenz der Schwingung einer Saite direkt von der Saitenlänge abhängt, verändert sich dadurch auch die Tonhöhe. Eine Halbtonmechanik wird so montiert, dass die Saite beim Betätigen der Umstimmvorrichtung genau einen Halbton höher erklingt. Dadurch ist es möglich, die Harfe mit wenigen Handgriffen schnell und exakt in eine andere Tonart zu stimmen.

Die Halbtonklappe ist damit eine einfachere Alternative zum Pedal. Nachteil ist, dass das Betätigen der Klappen während des Spielens eine hohe Geschicklichkeit erfordert. Damit sind dem chromatischen Spiel engere Grenzen gesetzt als bei der Pedalharfe.

Im Gegensatz zur Pedalmechanik, die immer alle gleichen Töne gleichzeitig um einen Halbton erhöht, erhöht ein Haken nur eine Seite. Damit ist es bei der Hakenharfe möglich, auf unterschiedlichen Oktaven unterschiedlich zu stimmen. Auf der anderen Seite sind komplette Tonartwechsel deutlich schwieriger als bei der Pedalharfe.

Haken

Hakenharfe
Details der Haken

Haken wurden bei den Süddeutschen Harfen um 1720 und in der Folge bei der Böhmischen Harfe eingeführt. Sie fanden auch wegen der einfachen Herstellbarkeit als "Scheibenersatz" bei den ersten Tiroler Volksharfen bis in die 90er Jahre Verwendung. Diese Haken sind manuell drehbar in 2 Richtungen. Im einfachsten Fall sind diese Haken einfach U-förmig gebogene Stücke aus stabilem Draht, bei dem ein Schenkel des U länger ist als das andere. Der längere Schenkel steckt dann unterhalb des Stegstiftes drehbar in einer Bohrung im Hals. Dreht man den Haken rechtwinklig zur Saite hin, drückt er die Saite ab und der Ton erklingt höher. Diese Haken waren drehbar in 2 Richtungen. Namensgeber für den heutigen allgemeiner Begriff für pedallose Harfen mit Umstimmvorrichtung, auch wenn diese nicht mehr mit Haken, sondern heutzutage mit Klappen ausgerüstet sind: Hakenharfen

Dieses System der Halbtonerzeugung ist konstruktiv sehr einfach. Nachteil ist, dass der Spieler genau wissen muss, wie weit er den Haken drehen muss, damit der Halbton exakt eingestellt ist. Heute werden fast nur noch Nachbauten historischer Harfen mit Haken ausgestattet.

Blades

Blades funktionieren nach dem selben Prinzip wie Haken. Im Gegensatz zu den aus Draht gebogenen Haken sind Blades mehr oder weniger komplex geformte "Fähnchen", die aus Metall gegossen sind. Sie haben einen Anschlag, so dass man den Halbton leicht exakt trifft. Da sie weder historisch korrekt sind (wie die Haken) noch so praktisch wie die Klappen haben sie sich nicht wirklich durchgesetzt und sind nicht sehr weit verbreitet.

Halbtonklappen (engl.: levers)

Klappen sind die moderne Alternative der Halbtonmechanik. Dabei wird vom Spieler ein Hebel betätigt, der über eine je nach Bauart unterschiedlich komplizierte Mechanik das Abdrücken der Saite bewirkt. Der große Vorteil dieses Systems liegt darin, dass der Spieler einen Anschlag hat, bis zu dem er den Hebel bewegen muss, damit der Halbton exakt eingestellt ist (eine gute Justage der Klappe vorausgesetzt). Auch ist eine lineare Bewegung vom Ablauf einfacher als eine Drehbewegung. Dadurch wird die Betätigung der Klappe schneller und während des Spielens auch deutlich einfacher.

Halbtonklappen gibt es in verschiedenen Größen. In der Regel brauchen Bassaiten größere und stärkere Halbtonklappen, Saiten im Diskant kleinere.

Lyon&Healy Performance Levers

Lyon&Healy-Halbtonklappe

Bei den Lyon and Healy Performance Levers wird die Saite beim betätigen der Klappe zwischen zwei gegenläufige Keile geklemmt. Die Saite wird dabei kaum in der Position verändert. Allerdings beobachtet man bei diesen Klappen einen leichten Verschleiß der Saite an der Stelle, wo die Klappe die Saite berührt.

Loveland

Loveland-Halbtonklappe

Loveland-Klappen bestehen aus einem Hebel aus schwarzem Kunststoff, der mit einer einstellbaren Rutschkupplung an einem verzinkten Stahlwinkel geschraubt ist. Der Hebel ist so geformt, dass er selbst die Saite gegen einen Stift drückt. Die Saite wird beim Betätigen der Klappe geringfügig seitlich aus der Saitenebene herausgedrückt. Ein Vorteil der Loveland-Klappen ist der kurze Hebelweg und der geringe Kraftaufwand, wodurch die Klappe sehr schnell betätigt werden kann. Loveland-Klappen eignen sich gut für Harfen mit geringer Saitenspannung.

Camac

Camac-Klappe der aktuellen (2011) Generation

Camac-Klappen gibt es in zwei Generationen: In der ersten Generation bestand die Camac-Klappe aus einem Kunstoffhebel, auf den ein Keil gegossen war, der direkt auf die Saite gedrückt hat. Die Saite wurde beim Betätigen durch diesen Keil von der Säule weg verschoben. An der Stelle, an der der Keil über die Saite schabt, beobachtet man insbesondere bei Darmsaiten eine deutliche Abnutzung der Saite, was langfristig zu einer Schwächung der Saite führt.

In der aktuellen (2011) Generation ist der Aufbau deutlich komplizierter geworden: Der Hebel bewegt eine Exzenterscheibe, die einen Stift auf die Saite drückt. Das Problem des Schabens ist dadurch gelöst. Die Saite wird seitlich aus der Ebene herausbewegt.

Peter-Brough

Halbtonklappen von Peter Brough

Peter-Brough-Klappen bestehen aus einem Bronze-Hebel, der an einer Stelle verdickt ist. Diese Verdickung drückt beim Betätigen des Hebels auf die Saite. Peter-Brough-Klappen sind schnell und leicht zu betätigen und haben insbesondere für Metallsaitenharfen einen sehr guten Ruf. Allerdings ist zu beachten, dass die Klappe genau andersherum betätigt werden muss wie alle anderen Klappen: zeigt der Hebel nach oben, ist die Saite frei und klingt tiefer. Zeigt er nach unten ist der Ton höher. Das macht ggf. ein Umgewöhnen notwendig.

Truitt

Truitt-Klappe

Eine eher einfache, kostengünstige Klappe. Klemmen aufwändigere Klappen die Saite zwischen zwei Stiften ein, wird bei dieser Klappe die Saite nur durch die Eigenspannung in einer Rille auf der Klappe gehalten. Darüber hinaus sagt man dieser Klappe auch schlechte Justierbarkeit nach.

Webseite des Herstellers

Delacour

Delacour-Klappe. Man sieht sehr gut die aufwändige Mechanik.

Die Delacour-Klappen sind konstuktiv recht aufwändig. Der Hebel bewegt eine Exzenterscheibe, die wie eine Gabelscheibe einer Pedalharfe aufgebaut ist. Dadurch wird die Saite fest gehalten, ohne dass sie in irgendeiner Richtung bewegt werden muss. Die Saite bleibt also genau am Platz.

Robinson

Sound Diamonds

Die Sound-Diamond-Klappen von Frank Sievert basieren auch auf dem Prinzip der Gabelscheibenmechanik. Im Gegensatz zu den Delacour-Klappen wird diese aber nicht über eine Exzenterscheibe bewegt, sondern der Hebel greift in eine Nut in der Scheibe. Die Klappen sind sehr schnell und leicht zu bedienen.

Glissando

Rollende Halbtonklappe von Glissando

Bei diesen Klappen wird die Saite nicht zwischen zwei Stifte geklemmt, sondern von einer Rolle gegen einen Stift gedrückt. Durch die Verwendung der Rolle soll Verschleiß der Saite vermindert werden.

Bekkaye

Rollende Halbtonklappe von Anne-Marie Bekkaye

In einer älteren Version angeblich "andersherum" funktionierend, also Klappe runter bedeutet Saite klingt höher. In dieser, hier abgebildeten neueren Version in gewohnter Weise funktionierend.

Salvi

Siehe auch

Ähnlicher Arikel im englischsprachigen Harfenwiki