Keltische Harfe

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Eine Keltische Harfe bezeichnet eine in der Neuzeit entstandene und vor allem in Irland und Schottland verbreitete Unterart der Hakenharfe mit Nylon- oder Darmbesaitung und Halbtonklappen.

Eine historische "Keltische Harfe", also einen Harfentyp der von den keltischen Völkern gespielt wurde, gibt es nicht.


Geschichte

Obwohl der Begriff Keltische Harfe eine historische Existenz vermuten lassen würde ist die Einführung des Begriffs doch recht jung. Der Begriff Keltische Harfe ist erst um 1950 entstanden.

Nancy Thym schreibt dazu: "Archäologisch gesehen können sowieso nur die Völker in und nördlich der Alpen als „Kelten“ bezeichnet werden, denn sie sind die einzigen Völker, die zu Lebzeiten als „Kelten“ bezeichnet wurden. Die Insularen „Kelten“ (also die in Irland, Schottland, Wales und auch der Bretagne) haben sich erst im 19. Jahrhundert erfunden. Das Wort „keltisch“ wurde zuerst im 18. Jahrhundert als Sprachbezeichnung verwendet, dann schwappte es über auf die Menschen selbst. Das, was heute als „keltische Harfe“ bezeichnet wird, ist eine Harfe mit Halbtonklappen - eine romantische Erfindung des 19. Jahrhunderts - und die „keltische Musik“ bedeutet überwiegend die traditionelle Musik aus Irland, Schottland, usw., die heute gespielt wird, nicht die Musik der Ureinwohner der Britischen Inseln wovon wir nur wenig wissen. "

Betrachtet man die bis Mitte 1700 ausgestorbenen alten Irischen Harfen oder Schottischen Harfen mit ihren Metallsaiten, den ganz speziellen Konstruktionen des ausgehöhlten Korpus und den Formen wie Low headed und High headed, kann man sagen, dass durch die Übernahme der wesentlichen Konstruktionsmerkmale der auf dem europäischen Festland gebräuchlichen und bereits fast industrialisiert hergestellten Harfenkonstruktionen im Pedalharfenbau, tatsächlich eine vollkommene Neuerung im Irischen Harfenbau stattfand. In dieser Zeit sprach man von Irischer Harfe. Der Begriff Keltische Harfe existierte zu dem Zeitpunkt nicht.

Diese neue Entwicklung im Irischen Harfenbau ermöglicht der Harfe (der „Neo-Irischen Harfe“) zu größerer Beachtung und andere Harfenbauer folgten und bauten in dem neuen Stil. In leichten Variationen wurde dieser Stil der Irischen Harfe bis 1950 beibehalten von einer größer werdenden Zahl von Harfenbauern.

Da sich gleichsam gleichzeitig das Bewusstsein für die zusammengehörige Keltische Wurzel der Bretagne, Irland, Schottland, Wales öffnet, wurde daraus die „Celtic harpe“.

In Irland

Nachdem der Harfenbau in Irland im 18.Jhrdt zum erliegen kam und die alte Irische Harfe in Vergessenheit geraden war, hat der Irische Harfenbauer John Egan in der Zeit von 1795 bis 1835 den Bau der "Irischen Harfe" mit einem ganz neuem Stil wieder aufleben lassen. Dabei orientierte er sich an den Bauprinzipien der Barockharfen auf dem europäischen Festland, wo die Harfe gerade eine „Blüte der Entwicklung“ und Verbreitung erlebte. Damit gilt John Egan als der Vater der „modernen Irischen Harfe“.

Das herausragende Merkmal der Irischen Harfe von John Egan war 1819 die Form der Verbindung von Vorderstange und Hals der Harfe, leicht kann man die Andeutung der Volute der kontinentalen Pedalharfe von 1780 erkennen. Die Harfe waren bereits mit einem runden Korpus gebaut wie bei Erard üblich und mit Darnsaiten bespannt.

Die in der Folgezeit entstehenden neuen Manufakturen von Harfenbauern ( Mc Fall in Belfast, Morley in London, Walten in Dublin oder auch Clark in New York ) folgen dem Bauprinzip des "neuen Irischen Harfentyp" und bauen Instrumente die in dieser Zeit auch als "Irische Harfe" bezeichnet wurden.

Das herausragende Merkmal der Irischen Harfe von Mc Fall 1902 ("Tara harp") war die Verbindung der Vorderstange mit dem Hals. Hier folgt Mc Fall nicht der Form mit angedeuteter Volute wie bei Egan, sondern der alten Irischen Bauweise mit einer Verzapfung zwischen Vorderstange und Hals (T-Form). Ansonsten war sie auch gebaut mit einem runden Korpus, und mit Darmsaiten bespannt.

In der Bretange

In der Zeit um 1920/30 erwachte in der Bretagne immer stärker das Bewusstsein über die eigene Bretonische Kultur und Sprache. Dabei bildete sich auch ein politischer Widerstand der Bretonen gegen die empfundene Unterdrückung durch das zentralistische Frankreich (noch heute endet die ausgebaute Autobahn von Paris zur Hauptstadt der Bretagne nach Rennes an der Landesgrenze).

Im Jahr 1935 lebte Gildas Jaffrennou in Corhaix in der Bretagne und baute seinen ersten Nachbau einer Harfe nach den Maßen einer Schottischen Harfe, ( in Schottland baute der Klavierhändler Buchanan zu dieser Zeit 6 Harfen nach den alten Formen aber auch in der modernen Konstruktion ) bei der er aber einen Fehler machte. Nach seiner Übersiedlung nach Großbritannien ist Gildas Jaffrennou sehr interessiert an den Arbeiten von Arnold Dolmetsch, der sehr den alten walisischen Traditionen verbunden war. Dolmetsch beschäftigte sich zu dieser Zeit mit der Entschlüsselung des "ap Huw Manuscript". Arnold Dolmetsch war auch Instrumentenbauer und beschäftigte sich besonders mit dem Bau der alten historischen Musikinstrumente aus England und Frankreich. 1935 baute Arnold Dolmetsch eine Harfe um die Ergebnisse seiner Entschlüsselung des Huw Manuscripts zu überprüfen. Nach dem Tod von Arnold Dolmetsch baute Jaffrennou 1947 unter der Leitung von Frau Dolmetsch und ihren Kindern seine zweiten Harfe mit der er klanglich zufrieden war. In dieser Zeit (1948) suchte Jord Cochevellou wegen seines Vorhabens der "Bretonischen Harfe" Kontakt zu Gildas Jaffrenou. 1954 erschien von Gildas Jaffrennou unter seinem Pseudonym Gildas Guinamant das erste Büchlein über Harfenbau mit dem Titel "How to make the celic harp (Gildas model)". Es entstehen nun neue kleine Werkstätten in der Bretagne, in denen die nun als "Keltische Harfe" bezeichneten Instrumente in Handarbeit gebaut werden ( Daniel Paris, Brest und die Brüder Le Roux, Plouisy). In der Folgezeit veröffentlichte Gildas Jaffrennou um 1971 erste einzelne Abhandlungen mit Plänen über Harfe. 1973 folgte dann unter seinem richtigen Namen Gildas Jaffrennou das wohl erste Buch über den Bau von verschiedenen Harfen mit dem Titel "Folk harps"

Der Bretone Jord Cochevellou war sehr in den verschiedenen kulturellen Bereichen (Sprache, Tanz, Literatur, Musik) als auch in der Widerstandsbewegung engagiert. Er war wohl ursprünglich wohl auf der Suche nach der Bretonischen Harfe und baute 1952/53 mit seiner ersten Harfe in einem Stil, der in die Reihe der damaligen Irischen Harfe mit einer Verbindung der Vorderstange in der T-Verbindung wie bei den Harfen von Mc Fall passt. Diese Harfe von Cochevellou hat ebenso einen runden Korpus mit Darmsaiten. Auf seiner Suche nach der "Bretonischen Harfe" wendete sich Cochevellou Anfang der 50er Jahre an Gildas Jaffrennou.

Zu Beginn der 50er Jahre baute Jord Cochevellou dann eine "Bretonische Harfe" für seinen Sohn Alain Cochevellou der 1952 im Alter von 9 Jahren die Harfe zu spielen lernte. Er wurde später unter dem Namen Alan Stivell bekannt und hat den Begriff Keltisch genauso wie den Begriff Keltische Harfe international begründet und verbreitet.

Es war in einem Augenblick zu Beginn der 50er Jahre das der Begriff "Keltische Harfe" geprägt wurde. Ob die damalige Entwicklung der Harfe von Jord Cochevellou tatsächlich eine Entdeckung oder eine Wiederentdeckung war, ist lediglich eine Frage des Standpunktes. Aus meiner Sicht des Harfenbau kann ich keine Wiederentdeckung oder Entdeckung erkennen.

Die Keltische Harfe

Alle Harfen die der neuen Irischen Harfe in den Konstruktionsmerkmalen entsprechen, werden von Beginn der 50er Jahre an mit zunehmender Verbreitung als Keltische Harfen bezeichnet.

Bei der Veröffentlichung des Buches Folk harp von Gildas Jaffrennou fällt auf, dass er in diesem 1973 erschienenem Buch von einer „Harp celtic“ schreibt mit Bauanleitung und dabei aber offensichtlich genau die Merkmale der "Egan Harfe", also der neuen Irischen Harfe, verwendet. Die in diesem Buch als „Bardic“ bezeichnete Harfe entspricht den alten Irischen Harfen (in einer modernen Bauweise).

Der Begriff "Irische Harfe oder "Neo Irische Harfe oder gar die "alten Irischen Harfen" wandelt sich zuhnehmend zu dem Begriff "Keltische Harfe" und die Bezeichnung "Irische Harfe" fällt langsam der globalen Popularisierung der Harfe zum Opfer. Heute spricht man von „Lever harps“, von „Haken- oder Klappenharfe“ und „celtique harp“.

Aber, die bedeutende kulturelle Leistung der damaligen Bretonischen Bewegungen um die alten Traditionen lag darin, dass man sich nicht nur national und im beschränktem Maß auf die Bretagne bezog, sondern einen Schritt weiter zurück ging zu den gemeinsamen Keltischen Wurzeln unterschiedlicher Länder. Hier wurde der Begriff der Keltischen Harfe geprägt. Diese "Wiederenddeckung" der eigenen kulturellen Identität, dem "celtique spirit" hatte nachfolgend einen ganz entscheidenden Anteil an der „spirituellen Einigung“ und dem Erkennen der gemeinsamen Keltischen Wurzeln der Bretagne, Irland, Schottland, Wales.